Rebecca Horn betreute den Japaner Masanori Handa

Mentorenprogramm für Designer

Ein Jahr lang betreute die Künstlerin Rebecca Horn den Japaner Masanori Handa im Rahmen der Rolex „Mentoren und Meisterschüler“-Initiative. Das Ergebnis: ein Wohnatelier mit rotierender Palme in Berlin und Leuchtsignale in London.

Surfing the World 1

Er verwandelt Gefühle in Objekte. Beeindruckt von einer Reise in die farbgewaltigen Metropolen Indiens lässt der Japaner Masanori Handa bunt gefasste Phantasiearchitekturen in die Räume der Galerie Kodama in Tokio hineinwachsen. Bewegt von den Eindrücken, die er während eines Berlinaufenthalts sammelte, platziert er, als Symbol für sein Gefühlschaos, eine rotierende Palme mit umherwirbelnden Plastikbändern mitten in sein Apartment. Der 31-jährige Künstler zog aus seinem Heimatland in die deutsche Hauptstadt, als ihn Rebecca Horn 2008 im Rahmen der Rolex „Mentoren und Meisterschüler“-Initiative zu ihrem Protegé wählte. Die 66 Jahre alte Künstlerin mit der flammend roten Mähne ist eine von sechs namhaften Persönlichkeiten aus den Bereichen Literatur, Kunst, Musik, Theater, Tanz und Film, die pro Jahr jeweils einen Hochbegabten künstlerisch betreuen. 

Dass sich die Auserwählten kreativ austoben können, ermöglicht ein 50 000-Dollar-Stipendium der Genfer Luxusuhrenfirma Rolex, deren Name sich aus einer Definition für vorzügliche Uhrmacherkunst ableiten lässt: „horology exquisite“. Rund 500 Portfolios hat ein Expertengremium seit Beginn des Förderprogramms im Jahr 2002 gesichtet. Ziel ist es, den Meisterschülern im Dialog mit ihren erfahrenen Kollegen neue Impulse für ihre Arbeit zu geben. Die Kommunikation zwischen Rebecca Horn und Masanori Handa verlief oft nonverbal – weil der Japaner kaum Englisch spricht: Ihre Ideen vermittelten sich die Künstler, indem sie Skizzen austauschten und mit Stift und Pinsel kommentierten. „Bevor ich loslege, brauche ich jemanden, mit dem ich meine Einfälle diskutieren kann“, so Masanori Handa. Rebecca Horn, die 20 Jahre lang Studenten an der Berliner Universität der Künste unterrichtet hat und gerade neben ihrem Atelier die Moontower Foundation mit Arbeitsräumen für Stipendiaten baut, erwies sich dabei als gute Ratgeberin: Die viermalige Documenta-Teilnehmerin ermutigte den Japaner, auch scheinbar absurde Ideen weiterzuspinnen. Sie selbst hat es vorgemacht mit wie von Geisterhand gespielten Klavieren, mit Schreibmaschinen, die losrattern, wenn Museumsbesucher einen Bewegungsmelder passieren, oder ihren sogenannten Körpererweiterungen, zum Beispiel Flügeln, die sie sich umschnallte. 

Seite 1: Mentorenprogramm für Designer
Schlagworte:
Autor:
Camilla Péus
Fotograf:
Gunter Lepkowski, Hideki Shiozawa, Rolex