Hotel "Edition" Herrenclub für London

Hotel-Tycoon Ian Schrager hat ein neues Hotelkonzept erfunden: „Edition“ heißt die Lifestyle-Marke, die auf die Zukunft von Eleganz und Traditionen setzt.

Lobby und Bar

Schluss mit barockem Boudoir-Look und Philippe Starcks Spaßmöbeln! Ian Schrager, 67, der Visionär aus Brooklyn, der in den Achtzigerjahren das Konzept der Boutique Hotels erfand, braucht eine neue Herausforderung. In Partnerschaft mit der Hotelgruppe Marriott gründete er die Lifestyle-Marke „Edition“ als seine Vision vom Hotel der Zukunft. Das erste Haus in der Reihe neuer Edelherbergen eröffnete 2011 in Istanbul, ein zweites wurde im September in London eingeweiht, und weitere hundert sind weltweit in der Planung.

Worum es hier geht? Nicht um einen einheitlichen Look, sondern um eine Geisteshaltung, erklärt Mr. Schrager. Um solide, gewachsene Tradition und noble Eleganz. Das Erscheinungsbild jedes Hotels soll der besonderen Geschichte der jeweiligen Metropole entsprechen. Seine Idee für London: der klassisch britische Stil eines Herrenclubs, taktvoll verknüpft – wie in allen „Edition“ Hotels – mit modernen Design-Elementen und technischen Raffinessen. Der siebenstöckige, 1835 erbaute Komplex setzt sich aus fünf Gebäuden zusammen und liegt im Herzen der Stadt, im historischen Viertel Fitzrovia, unweit des British Museum und der Oxford Street.

Optischer Mittelpunkt der Lobby ist die knapp sechs Meter hohe Stuckdecke mit einer riesigen eiförmigen Leuchte von Ingo Maurer, die den Raum in einen weichen Schimmer taucht, dazu gibt es loderndes Kaminfeuer und vergoldete Bilderrahmen. Gäste versinken in üppigen Lederfauteuils oder in weichen, mit Samt bezogenen Sofas. In einem anderen Winkel der Lobby stehen den Gästen Apple Computer zur Verfügung; daneben liegt ein reichhaltiges Angebot an Tageszeitungen aus. Das Restaurant beleuchten zwei große Kronleuchter, die Wände hängen voller Bilder wie in einem Privathaus. In der Küche steht der Sternekoch Jason Atherton, der sein Handwerk auch bei dem katalanischen Molekularküchen-Guru Ferran Adrià im „El Bulli“ lernte.

In den 173 Zimmern vermitteln gedämpfte Farben und holzgetäfelte Wände altbewährte Geborgenheit im Mix mit modernem Komfort. Leider, bemerkt eine Hotelangestellte, geht das Ambiente eines vergangenen, eleganteren Zeitalters nicht automatisch Hand in Hand mit den dazu passenden guten Manieren. Kurz vor ein Uhr mittags durchqueren adrette, frisch ondulierte Damen die Lobby auf dem Weg zum Restaurant, vorbei an zwei jungen Männern, die es sich auf den Sofas bequem gemacht haben: lang ausgestreckt, Laptops auf dem Bauch, die modischen Sneakers auf den Polstern. Die Damen lächeln ein feines, gequältes Lächeln.

Autor:
Josephine Grever
Fotograf:
PR