Royal Flash Traumhafte Palasthotels

König und Königin auf Zeit: Palasthotels erfüllen den Traum. Wir stellen berühmte Häuser vor, die sich verjüngt haben und doch Tradition wahren.

Gebügelte Tageszeitungen materialisieren sich auf dem Teppich. Der wartet nur darauf, einem sanft die Füße zu streicheln. Schuhe, achtlos abgestreift, finden sich poliert im Schrank wieder. Selbstverständlich knarzt er nicht. Mobiliar, Zimmer, Treppenhäuser, Lobby, Restaurant, Spa, Park und Service eines Palasthotels loten aus, wie weit sie es mit Pracht und Perfektion treiben können. Die besten schaffen es, dass sogar gekrönte Häupter schwärmen: Königin Elisabeth von England bescheinigte etwa dem Hotel Imperial in Wien, dass sie niemals in schöneren Räumen genächtigt habe.

Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts entstehen die wahr gewordenen Tagträume dienstlich reisender oder urlaubsreifer Herrscher und gut betuchter Bürger. In Hauptstädten und Urlaubsorten ragen die Paläste auf, die wegen ihrer Dimensionen oft auch Grandhotels heißen. „Kaiser, Kaiserin, Prinzessinnen und Prinzen haben den prächtigen Hotelbau besichtigt und Herrn Adlon ihre Anerkennung des hier Geschaffenen in ehrendster Weise ausgesprochen“, berichtete die lokale „Vossische Zeitung“ 1907 zur Eröffnung des Hotel Adlon am Brandenburger Tor. Es gab Strom und eine funktionierende Heizung. Bald zog Wilhelm II. den Luxus den zugigen Räumen in seinem Schloss vor. Neben ihm gehörten Könige, Maharadschas, der Zar von Russland und das Who’s who europäischer und US-amerikanischer Industrieller und Politiker zu den Stammgästen. Marlene Dietrich wurde hier entdeckt. Als Bundespräsident Roman Herzog das zu DDR-Zeiten vergessene Hotel nach der Wende 1997 wiedereröffnete, ähnelte die Feierlichkeit einem Staatsakt.

Auch Edward VIII. von England besiegelte eine Entscheidung, die sein Land veränderte, in einem Palasthotel. 1936 reiste er mit Wallis Simpson an die Côte d’Azur, kurz nachdem er aus Liebe zu ihr auf den Thron verzichtet hatte. Das Paar versteckte sich im Hotel du Cap-Eden-Roc in Cap d’Antibes vor bohrenden Blicken und Reportern. „Seit jeher fühlen sich Prominente geschützt, als Gleiche unter Gleichen, von denen keine Bedrohung ausgeht“, so der Autor François Simon in seinem Band über das fast 140 Jahre alte 121-Zimmer-Schloss.

Designer und Architekten, die die altersschwach gewordenen Schönheiten restaurieren, zeigen Respekt – auch, weil meist strenge Denkmalschutzbestimmungen gelten. Auf „klassisches Design, kombiniert mit moderner Funktionalität“ setzt der französische Designer Pierre-Yves Rochon, der die 152 Zimmer im Wiener Hotel Sachermodernisiert hat. Ein Rezept, nach dem sich auch Legenden wie das benachbarte Hotel Imperial oder das von Jacques Garcia renovierte Hotel Danieli in Venedig verjüngt haben.

Sogar Philippe Starck hat seine Eigenwilligkeit sparsam dosiert. Beim Umbau des Le Royal Monceau, eröffnet 1928 und beliebt bei Walt Disney, Coco Chanel, Ernest Hemingway und Joséphine Baker, setzt er zwar Knalleffekte. Doch die 149 Zimmer und zwei Sterne-Restaurants, das 1400-Quadratmeter-Spa und die Lobby halten sich jedoch vornehm zurück, im Stil der 1940er-Jahre.

Im Londoner St. Pancras Renaissance Hotel ordnet sich US-Corporate-Hotel-Design der Neogotik unter: ein Entwurf des viktorianischen Baumeisters George Gilbert Scott. Die 211 Zimmer und 34 Suiten teilen sich den fünfgeschossigen Ziegelpalast mit einem Bahnhof. Sodass Gäste nicht nur auf Werke von Donald Judd, Joseph Beuys, Richard Prince and Gary Hume blicken, sondern auch auf Gleise und Hochgeschwindigkeitszüge.

Sir Norman Foster hat das The Dolder Grand in Zürich von 1960er-Jahre-Bausünden erlöst, den Originalzustand wiederhergestellt und das Schlösschen mit einem Anbau aus Glas, Stahl und Naturstein umarmt. Das Innere hat das Londoner Büro United Designers entstaubt, und zwar so behutsam, dass sich Thomas Mann, der hier von einem Kellner zur Figur des Hochstaplers Felix Krull inspiriert worden sein soll, heute vermutlich nicht gestrig vorkäme.

Es gilt: Warum neu erfinden, was sich bewährt hat? Deshalb ist das neue Waldorf Astoria am Bund in Schanghai eine fast exakte Replik des „Mutterhauses“. Seit 1931 zählt das zu New Yorks ersten Adressen. Die Hotelerbinnen Paris und Nicky Hilton sind darin aufgewachsen und sagen, das sei „fun“ gewesen. Kein Zweifel.

Weitere verjüngte Palasthotels

Grand Hotel, Stockholm, 1874 Nordisch luftiges
Wasserschloss.

Grand Hotel Europe, St. Petersburg, 1875 The Best of Zarenzeit steht zwischen Architekturikonen am Nevsky Prospekt.

Hotel Savoy, London, 1889 Von Cesar Ritz zu seiner ersten Größe gebracht, funkelt seit 2010 in mondänem Goldglanz.

Le Montreux Palace Hotel, Montreux, 1906 Belle-Époque-Juwel, umringt von Schweizer Bergen.

Ciragan-Palast, Istanbul, 1857 1001-Nacht-Flair im osmanischen Sultanspalast am Ufer des Bosporus.

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Autor:
Petra Mikutta