18.2.2013 Designer James Irvine verstorben

James Irvine

Vor zwei Jahren entwarf James Irvine drei Setzkästen für die kleine, feine Designmarke „Auerberg“ in Bayern: Klare, perfekt verarbeitete Boxen aus hellem, unbehandeltem Eschenholz, deren Fächer gedacht waren für kleine Fund- und Erinnerungsstücke des Alltags. Diesen „Schätzen“, wollte Irvine ihren Wert zurück geben, wie er sagte, und so verband er die für ihn typische minimalistische Formensprache mit seinem privaten Faible für Kitschobjekte.

„Das Leben sollte genossen werden. Es gibt keine Perfektion, keine Regeln“ – so erklärte er den vermeintlichen Widerspruch zwischen seinem puren Design und den Greulchen, die er „tonnenweise“ zuhause hortete: „Ich wollte auch nie eine perfekte Welt entwerfen“. Und vielleicht erklärt sich so auch, warum James Irvine in seiner Arbeit immer präzise, aber nie verbissen war, seine Entwürfe klar, aber nie kühl gewesen sind.

Die Möbel für Thonet, Cappellini, B&B Italia oder Magis, die Leuchten, die er für Artemide oder Foscarini gestaltete, die Drucker für Canon und die Bestecke für WMF – diese Entwürfe rechnen bei aller Reduktion zugleich mit der Wärme des Materials oder der Weichheit der Formen. Irvine, 1958 in London geboren, studierte an der Kingston Polytechnic Design School und dann am Londoner Royal College of Design und zog nach dem Abschluss 1984 nach Mailand, wo er seither lebte und arbeitete: zunächst als Berater für das Designbüro von Olivetti unter der Leitung von  Michele De Lucchi und Ettore Sottsass, später mit einem eigenen Studio.

Er gehörte längst zu den erfolgreichsten Produktdesignern unserer Zeit, blieb dabei aber so diskret wie seine Entwürfe – und war als Dozent an internationalen Hochschulen (zuletzt in Karlsruhe) geschätzt und beliebt für seine Lust an der Lehre und seinen trockenen Humor. Jetzt starb James Irvine mit nur 54 Jahren in einem Mailänder Krankenhaus.

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Autor:
Gabriele Thiels