Happy Birthday! Die „LC Collection“ von Cassina wird 50

Der „LC2“, ein kubischer Sessel aus schwarzen Lederpolstern in einem verchromten Stahlrohrrahmen, ist als Design-Klassiker bereits ein fester Bestandteil in vielen Einrichtungen – 2015 läuft er zur Hochform auf: In einem frischen Look, in sieben Gestellfarben, 29 Ledersorten und 165 Stoffen in knalligen Farben feiert er gemeinsam mit dem Stuhl „LC1“, dem Sofa „LC3“ und der Liege „LC4“ das 50jährige Jubiläum der „Le Corbusier Collection“, die seit 1965 die italienischen Möbelfirma Cassina herstellt.

„LC2“ aus der Re-Edition von Cassina

Der „LC2“ aus der Re-Edition im neuen Look. Bei der Produktion werden ausschließlich umweltfreundliche Materialien verwendet.

Am Anfang der Erfolgsgeschichte, im Jahr 1928, standen Skizzen und Notizen von Sitzmöbeln – gezeichnet von Le Corbusier, seinem Cousin Pierre Jeanneret und der Innenarchitektin Charlotte Perriand. Ein darauf immer wiederkehrendes Motiv: Eine menschliche Gestalt, sitzend auf einem Sessel oder liegend auf einer nach hinten gekippten Liege, die Beine sind mal ausgestreckt oder auch mal angewinkelt. Die Gestalt ist nur grob festgehalten, aber von großer Bedeutung. Denn Le Corbusier passte seine Möbelentwürfe üblichen Körperhaltungen an. Für die „LC Collection“ nahmen die drei Gestalter Sitz- und Liegehaltungen als Ausgangsform. Das Möbel sollte trotz einer reduzierten Formensprache technisch-funktional, beispielsweise mit beweglichen Teilen, und für bestimmte Funktionen des Körpers einsetzbar sein.

Chaiselongue „LC4“

Die Chaiselongue „LC4“ ist das erfolgreichste Möbel aus der LC-Reihe.



Eine „Ausruhe-Maschine“ nannte der Maschinenästhet Le Corbusier beispielsweise die verstellbare Chaiselongue „LC4“: Eine anatomisch geformte Stahlrohrliege, deren Gestell auch als Kufen einer Schaukelliege dienen, wenn man sie von dem Träger nimmt. Das heute markanteste Modell aus der „LC“-Reihe vereint die Ruhefunktion mit geometrischen Grundformen, die sich dem Körper anschmiegen.

Modulor von Cassina

1942 entwickelte Le Corbusier eine Art Maßsystem: Der „Modulor“ (hinten rechts) stellt die prototypischen Massen des menschlichen Körpers dar – mit ausgewogenen Proportionen und einer angemessenen Anordnung der Körperteile.

Die komplette „LC“-Möbellinie wird ab 1930 von dem Hersteller Thonet unter der Bezeichnung „Le Corbusier, P. Jeanneret, Ch. Perriand“ vertrieben; 1959 lanciert die Zürcher Galeristin Heidi Weber eine Re-Edition; 1964, noch zu Lebzeiten Corbusiers, erwirbt der Möbelhersteller Cassina die Exklusivrechte zur Produktion der vier klassischen Sitzmöbel. Im September 1965 erlangen der „Fauteuil à dossier basculant“ („LC1“), die beiden „Fauteuils grand confort“ („LC2“ und „LC3“) und die „Chaiselongue“ („LC4“) den weltweiten Durchbruch.

Stuhl „LC1“

Der filigrane Stuhl „LC1“ ist das Gegenstück des massiven Sessels „LC2“, die geometrischen Grundformen beider Sitzmöbel ergänzen sich allerdings gut.

Weitere Modelle werden im Rahmen einer detaillierten Analyse der originalen Projekte in den darauffolgenden Jahren hinzugefügt, immer im Austausch mit der Stiftung „Le Corbusier“ und den Erben von Charlotte Perriand und Pierre Jeanneret.

Le Corbusier, Pierre Jeanneret, Charlotte Perriand

1922 gründete Le Corbusier (Mitte) mit Pierre Jeanneret (rechts) ein Architekturbüro in Paris, 1927 engagierten sie die Innenarchitektin Charlotte Perriand (links).

Aus den groben Skizzen von 1928 ist heute eine erfolgreiche Möbellinie geworden: Bleistift und Papier wurden gegen filigrane Stahlrohrrahmen und bequeme Polster eingetauscht, der gezeichnete Mensch hat in Form vieler Design-Liebhaber reale Gestalt angenommen. Und auch Le Corbusier, Charlotte Perriand und Pierre Jeanneret haben einen Platz auf ihren Möbeln  gefunden: Ihre Unterschriften sind in den Metallgestellen eingestanzt und zeugen mit der Seriennummer sowie dem Logo des Herstellers und der Kollektion von der Echtheit des Möbelstücks.

Weitere Informationen: www.cassina.com

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