„Counting-the-Rice“-Tisch Kunst wird Design

Moroso und Marina Abramovic arbeiten zusammen. Die italienische Designmarke bringt einen „Counting-the-Rice“-Tisch heraus, der auf eine Performance der Künstlerin Bezug nimmt.
„Counting-the-Rice“-Tisch von Moroso

Eines der meistbeachteten Kunstereignisse des Jahres 2014 war Marina Abramovics Performance „512 Hours“ in der Londoner Serpentine Gallery. 64 Tage lang, acht Stunden täglich veranstaltete die Amerikanerin mit serbischen Wurzeln Exerzitien der Ausdauer, Konzentration und Geduld. Sie ließ die Besucher schweigend mit dem Gesicht zur Wand stehen, durch den Raum schreiten und vor allem: Reis zählen. Dazu saß an einem kleinen Tisch, gebeugt über ein Häuflein Reiskörner und Linsen, sortierte, gruppierte, notierte. Manche brachen nach 30 Minuten ab, andere brachten die Arbeit in Stunden zu Ende – intensiv war die Erfahrung in jedem Fall. Nun bekommt sie ein greifbar Form: Die italienische Design-Marke Moroso bringt zusammen mit dem Marina Abramovic Institute (das von der Künstlerin gegründete Zentrum für Performance), eine Edition von 30 „Counting-the-Rice“-Tischen heraus, die Daniel Libeskind entworfen hat. Der Architekt ersann eine Schulbank, bei der sich – wie im Profil deutlich wird – Tisch und Stuhl aus einer einzigen Linie ergeben: sie ist Skulptur und Möbel zugleich. Als Prototyp aus Sperrholz während der Möbelmesse in Mailand vorgestellt und dann in mehreren „Counting-the Rice“-Workshops zum Einsatz gekommen, wurde der Tisch auf der Design Miami jetzt in der endgültigen Version aus Beton vorgestellt.

Damit beginnt eine breitere Partnerschaft zwischen der Künstlerin und Moroso. Sie fußt auf der persönlichen Freundschaft von Marina Abramovic und Unternehmenschefin Patricia Moroso, dem Umstand, dass Patricia Moroso ihre Kollektion stetes auch als Plattform für Entwürfe auf der Grenze zwischen Design und Kunst betrachtet – und nicht zuletzt auf der Begeisterung der Künstlerin für Moroso-Möbel. Ihr Loft in Manhattan ist fast ausschließlich damit eingerichtet, so dass A&W-Autorin Meike Winnemuth in ihrer Kolumne „Wer wohnt denn da?“ schon vermutetete, die Räume seien das Pied-à-Terre von Patrizia Moroso selbst (s. A&W 1/11). Der Entwurf zu dem nächsten gemeinsamen Projekt wird von Designerin Patricia Urquiola entwickelt.

Moroso.it; mai-hudson.org

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Autor:
Gabriele Thiels