125 Jahre: Textilien von Création Baumann

Sie dämpfen Licht und Schall, haften an glatten Flächen: Textilien von Création Baumann. Die Schweizer Firma setzt seit 125 Jahren auf Technologie und Design.

Rollbahn

Trockenbahnen

Trockenbahnen: Die Bleiche im Hof gehört zur Vergangenheit. Die Familienweberei, 1886 im Schweizer Städtchen Langenthal gegründet, hat sich in einen Hightech-Betrieb gewandelt.

Anfang der 1970er-Jahre: Ein älterer Herr stolziert mit einem Modell in die Konferenz. Das da habe er im Urlaub erfunden, sagt er. Er reckt dem Marketingteam triumphierend eine Holzlatte entgegen, an der bodenlange Streifen Toilettenpapier flattern. Niemand lacht. Denn zum einen ist es Fritz Baumann, der die Idee präsentiert, der respektierte Seniorchef, und zum anderen habenseine oft ungewöhnlichen Einfälle die Familienweberei im Städtchen Langenthal im Kanton Bern in ein international führendes Textilunternehmen verwandelt – das er kurz zuvor an seinen Sohn Jörg übergeben hat. Die Idee aus dem Urlaub wird ein Welterfolg. Aber davon später.

Leinen-, Baumwoll- und Seidenstoffe

Naturschönheit mit Öko-Zertifikat: Leinen-, Baumwoll- und Seidenstoffe der neuen Kollektion „Natura“.

Buch „Alles verwoben“

Die Chronik: Einblick ins Buch „Alles verwoben“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Création Baumann wurde vor 125 Jahren von Fritz Baumanns Vater mitgegründet und nach wenigen Jahren von ihm allein weitergeführt. Heute, inzwischen in vierter Generation in Familienbesitz, beschäftigt die Firma 260 Mitarbeiter, mehr als 200 im Schweizer Hauptsitz. Rund 6000 Stoffe und Verdunklungssysteme sind in 40 Ländern auf dem Markt. Die meisten Produkte sind nach Öko-Tex Standard 100 zertifiziert, ein internationales Umweltschutzsiegel, das die Nachhaltigkeit der Rohstoffe und der Herstellung sicherstellt.

Leinen

Gitterstrukturen in reinem Leinen: transparente Vorhänge und Basic-Stoffe. Von oben: „Nimos-Stripe“, „Platon“ mit Fischgrätstreifen, „Zenos“, „Nimos-Simpel“ und die groben „Ryos“-Stoffe.

Frühjahr 2011: Die aktuelle Kollektion „Natura“ eröffnet eine Welt kunstvoller Gitter in Weiß- und Erdtönen – grobe Gewebe, die an verstreute Strohhalme erinnern, feine Gazen als Projektionsflächen für Schattenspiele, filigrane Netzwerke aus Fäden und Licht – 90 Textilien haben hauseigene Designer entworfen, Gardinen und Dekostoffe, die so weich sind, dass sich daraus auch Kleider schneidern ließen. „Von Mutter Natur erfunden, von Création Baumann verstofflicht“, heißt es im Katalog.

Firmenchef seit 2000 ist Philippe Baumann, 45, Enkel des Kreateurs der Toilettenpapierstreifen-Idee, die als Prototyp für verstellbare, vertikale Lamellenvorhänge vor rund 30 Jahren die Raumverschattung revolutioniert hat. Bis heute zählen sie zu den Bestsellern des Hauses. Auch Philippe Baumann setzt auf innovative Technologien: „Eine der wichtigsten Abteilungen, um die Zukunft zu sichern, ist unser Labor.“

Jörg Baumann

Stoffsammler: Heute ist Jörg Baumann, Jahrgang 1934, der Seniorchef. Er hat den Ruhestand genutzt und die Geschichte des Unternehmens in einem Bildband festgehalten. 2000 übergab der diplomierte Betriebsund Textilfachwirt die Firma Création Baumann seinem Sohn Philippe.

Ingenieure und Handwerker erarbeiten neue Druckverfahren sowie Methoden, Textilien schwer entflammbar zu machen, lichtdicht und schadstofffrei. 2007 ist ihnen ein Coup geglückt: „Gecko“. Das mit dem „Design Preis Schweiz“ ausgezeichnete Textil haftet faltenfrei und dauerhaft auf allen glatten Oberflächen.

Über das Design sagt Philippe Baumann: „Es ist zeitlos, aber doch ein Spiegel der Zeit.“ So hat „Ascona“, ein kratzbürs - tiger Jutestoff, die Interiors der harten Nachkriegsjahre mitgeprägt. Und so mancher Intellektuelle diskutierte die 1968er- Revolte auf einem Sofa lümmelnd, das mit „Fortuna“, einem gewichtigen Leinengewebe, bezogen war. Die oft persönlich erzählte Geschichte der Firma, geschrieben vom derzeitigen Seniorchef Jörg Baumann, ist gerade unter dem Titel „Alles verwoben“ erschienen.