Dem Erbe verpflichtet 250 Jahre KPM

Die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin, KPM, feiert 2013 sein 250-jähriges Bestehen. Inhaber Jörg Woltmann setzt dabei ganz auf Tradition.

Teekanne Urbino

Jugendstil-Skulptur Flora

„Flora“, 1909, von Paul Schley, eine Jugendstil-Skulptur aus der Zeit, als man bei KPM mit neuen Glasuren experimentierte.

Es wundert nicht, dass der Mann, der im Jahr 2006 das älteste Unternehmen Berlins mit allen Schulden kaufte, selber so traditionsbewusst daherkommt wie das „weiße Gold“, das die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin seit 250 Jahren produziert. Jörg Woltmann, gebürtiger Berliner, Bankier, ein Unternehmer der alten Schule im besten Sinne, kaufte das Unternehmen, wie er heute sagt, „rein aus Patriotismus“. Innerhalb von nur einer Woche wurde er, der mit 28 Jahren sein erstes KPM-Service „Kurland“ gekauf hatte, „vom Nutzer zum Inhaber“ einer Firma, der Friedrich der Große am 19. September 1763 ihren Namen gab.

Jörg Woltmann investierte in den vergangenen Jahren mehr als 30 Millionen Euro in den Betrieb mit 170 Mitarbeitern, der 2000 privatisiert worden war. Er kaufte einen Teil des alten Werksgeländes am Berliner Tiergarten zurück, modernisierte die Außendarstellung des Unternehmens, das außerdem sechs Verkaufsgalerien besitzt, auch in Köln und Hamburg, und die „KPM Welt“, einen Ort der Selbstdarstellung mit Museum.

Teekanne Urbino

Tee- und Keksdose aus dem viel gerühmten Service „Urbino“ von Trude Petri.

Anders als der deutsche Hauptkonkurrent Meissen, der im Ausland noch immer bekannter ist, setzt KPM unter Woltmann ausschließlich auf Kernkompetenz: „Wir machen Porzellan: handgefertigt. In höchster Qualität. Nichts anderes!“, betont der Bankier. Zu der Strategie passt, dass es 2013, im Jahr des großen Jubiläums, kein neues Service geben wird, sondern 22 Sondereditionen aus 250 Jahren KPM sowie die sanft modernisierte Version des dann 223 Jahre alten und ewigen Bestsellers „Kurland“. Damit wendet sich der Inhaber nicht gegen zeitgenössisches Design: Enzo Maris „Berlin“ etwa stammt von 1996. „Alles zu seiner Zeit“, sagt er. Und freut sich darüber, dass KPM durch den Trend zum bürgerlichen Lebensstil wieder jüngere Käufer, gerade Brautpaare, gewinnt.

Keksdose Urbino

Tee- und Keksdose aus dem viel gerühmten Service „Urbino“ von Trude Petri.

Daneben versucht die Manufaktur, in den neuen Luxusmärkten, etwa in Asien, bekannter zu werden – durch ausgewählte Händler, durch Kooperationen und Spezialanfertigungen: Für den Innenraum des Bugatti Veyron „L’Or Blanc“ lieferte sie zwölf Elemente aus feinstem Porzellan. Dazu brauche es viel Zeit und lange Gespräche. „Entschleunigung“ sei für ihn, so Woltmann, auch ein Ziel. Ein anderes soll im Jubiläumsjahr erreicht werden: Die Manufaktur, die derzeit etwa 10 Millionen Euro Umsatz macht, wird, da ist er sich „sehr sicher“, nach vielen Jahrzehnten erstmals wieder schwarze Zahlen schreiben.

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Autor:
Volker Corsten