Wissen, wie der Hase läuft Designer Bodo Sperlein

Bodo Sperlein, Münchner in London, ist seit dem Ende seiner Studienzeiten ein Designer, auf den man achtet. Seine Strategie: präzise Analyse der Aufgabe.

Es sind die kleinen Details, die das Teetrinken zum Genuss machen. Wie zum Beispiel die richtige Wassertemperatur. „Schwarzer Tee verträgt einen Aufguss mit kochendem Wasser, aber dies würde die zarten Blätter des grünen Tees zerstören“, sagt der Produktdesigner Bodo Sperlein. „Lieber etwas abkühlen lassen.“ Sperlein – geboren in Bamberg, aufgewachsen in München und seit Anfang der Neunzigerjahre in London ansässig – kennt sich da aus. Nicht nur weil er selbst gern Tee trinkt, sondern weil seine jüngste Kollektion für die japanische Porzellanfirma Nikko sich rund um dieses Thema dreht, von den pur weißen „Sensu“-Teetassen aus feinstem Porzellan bis zum Teesieb aus Silber. Hat er hier moderne europäische Ästhetik mit traditioneller fernöstlicher Subtilität gepaart? Er nickt, die Beschreibung passt. „Das Milchkännchen eignet sich auch wunderbar für Soßen“, fügt er hinzu. „Multifunktionalität ist mir wichtig.“

Porzellan von Bodo Sperlein

In den Schaukästen schwarze Flaschenstopfen, Porzellan (Lladró) und das Service „Black Forest“ (Dibbern).

Zum ersten Mal machte Bodo Sperlein 1997 von sich reden, als er sein Studium des 3-D-Design am Camberwell College of Arts abschloss. Seine theoretische Diplomarbeit ging der Frage nach, wie Keramik und Porzellan im Dritten Reich der Propaganda dienten, und fand viel Beachtung. Und seine praktischen Arbeiten bei der finalen College-Ausstellung gefielen Caroline Burstein (Chefin des Londoner Modehauses Browns) so sehr, dass sie ihn mit dem Design ihrer Hauswaren-Serie beauftragte.

Als Bodo Sperlein 1999 den „Lord Sainsbury Award“ gewann, machte er sich selbstständig und richtete sich mit dem Preisgeld ein kleines Studio im Oxo Tower an Londons Südufer ein. Hier arbeitet er noch heute, in größeren und von ihm selbst entworfenen Räumlichkeiten, die als Showroom und Design Consultancy dienen. „Das Ambiente muss stimmen, damit meine Produkte gut aufgehoben sind“, so sieht er das. 80 Quadratmeter Showroom-Fläche mit 3,5 Meter hoher Decke, auf dem Fußboden breite Landhausdielen aus Eiche, Ausstellungsregale aus hellgrauem Kalkstein – jedes Detail ist minutiös durchdacht. „Die Regale sind matt angemalt, nicht poliert. Dadurch kommen die Produkte besser zur Geltung“, erklärt Bodo Sperlein, ein schlanker Mann mit markantem Gesicht und akkurat getrimmtem Bart. Hochglänzend lackiert sind dagegen die insgesamt 120 Türen, hinter denen sich viel Stauraum verbirgt. „Zum Beispiel für unsere Muster. Eigentlich für alles, was man verstecken will, damit es hier schön ordentlich ist.“

Als eigenes Reich hat er sich einen etwas höher gesetzten Kubus in den Raum bauen lassen. Die kleine Insel mit ihren Büchern, Design-Journalen und diversen Lieblingsobjekten ist sein „kreativer Hotpot“, er dient zum Nachdenken, Recherchieren und Konzipieren neuer Entwürfe. Er sieht sich zufrieden um. „Als ich hier einzog, war der Raum für mich wie eine leere Leinwand. Zwei Aspekte waren wichtig: Der Showroom sollte praktisch sein, und wir sollten uns alle wohlfühlen.“

Seite 1 : Designer Bodo Sperlein
Autor:
Josephine Grever
Fotograf:
James Merrell