Markenzeichen E15 entdeckt Ferdinand Kramer wieder

Flexibel, leicht, funktional: Die Designmarke E15 legt die Möbelentwürfe des hessischen Architekten Ferdinand Kramer wieder auf.

Tische „Calvert“ und „Charlotte“

Ferdinand Kramer

Ferdinand Kramer mit seiner ersten Frau Beate 1951 vor dem Schnittmuster eines „Calvert“-Tischs.

„Wir haben einen Schatz gefunden“, sagt Philipp Mainzer. „Dass einer mit so viel Elan dabei ist, das freut mich von Herzen“, sagt Lore Kramer. Mainzer gibt mit seiner Firma E15 acht Möbelentwürfe ihres Mannes, des Frankfurter Architekten Ferdinand Kramer (1898–1985), neu heraus, und das ist ein Glücksfall. Denn der Mann und sein Werk sind eine Entdeckung.

Er war ein Mitarbeiter des Frankfurter Stadtplaners Ernst May, nach der Emigration von 1938-1952 Architekt in New York und Baudirektor der Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität: Ferdinand Kramer verband so das hohe Ideal des modernen, zweckmäßigen Bauens mit einem wachen Blick für die kleineren Notwendigkeiten des Alltags. Für die engen Arbeiterwohnungen der 20er-Jahre ersann er Möbel, die flexibel, leicht und vielfältig kombinierbar waren: Liegen und Stühle mit schlichten Holzrahmen und Sitzen aus Leder-, Korb oder Kunststoffgeflecht, Büfetts, die sich vertikal und horizontal erweitern ließen.

Stuhl „Karnak“ und Hocker „Aswan“

Stuhl „Karnak“ und Hocker „Aswan“ von 1925 aus Nussbaum mit Sitzen aus Textilgeflecht.

In den USA entstanden die „Knock-Down“-Möbel, deren Einzelteile materialsparend aus einer Schichtholzplatte geschnitten und vom Käufer selbst zusammengesetzt und auseinandergenommen werden konnten – Vorläufer des Ikea-Prinzips. Kramer entwickelte standardisierte Ladeneinrichtungen, er erfand Öfen und einen Wegwerfschirm aus Papier. „Er war wirklich ein genialer Tüftler, aber er hatte in späteren Jahren keinen Nerv, seine Erfindungen zu vermarkten“, sagt Lore Kramer. „Aber ich hatte ihn ja auch nicht.“ Bis ein Bekannter ihr vorschlug auf E15 zuzugehen.

Daybed „Theban“

Daybed „Theban“ von 1925 ist aus gewachster Eiche mit einer Liegefläche aus Blankleder-Geflecht, daneben E15-Hocker „Backenzahn“.

Dort wurde die Idee einer Reedition begeistert aufgenommen. E15, 1995 in London gegründet, benannt nach dem Postcode der ersten Werkstatt und seit 1997 in Hessen ansässig, ist bekannt für klares, materialbewusstes Design. Die „Ehrlichkeit und Schlichtheit“ der Entwürfe Kramers passen zum Geist der Marke, findet Philipp Mainzer, selbst Architekt. Er wählte Hocker, Stühle und Tische aus den Jahren 1925 bis 1959 aus, „um ein Gesamtbild der Schaffensphasen wiederzugeben“, brachte die Stücke zur Serienreife und verwandte dabei die für E15 typischen edlen Hölzer. Eine Qualität im Sinne Kramers, der bemerkte: „Ich bin zu arm, um billig einzukaufen.“

E15 E15.com