Gestaltung Feminines Design von Nika Zupanc

Stühle mit heissen Kurven und Wespentaille, hochglänzende Kindermöbel und Sofas mit Schleifenapplikationen. Mit ihren betont femininen Entwürfen schrammt die Slowenin Nika Zupanc haarscharf am Kitsch vorbei - aber mit kühler Berechnung.

Vier mächtige, gut 30 Meter hohe Säulen aus grob behauenem Naturstein stützen den Pavillon „Belvedere“ hoch über dem Bleder See auf halber Strecke zwischen Villach und der slowenischen Hauptstadt Ljubljana. Hier, über dem Ufer einer der idyllischsten Naturschönheiten des kleinen Landes, wollte sich der jugoslawische König Alexander einst seine Sommer residenz erbauen lassen. Ein Attentat, dem er 1934 zum Opfer fiel, und der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs sorgten für einen Baustopp. Nach dem Krieg wurde nur der Empfangsbereich der geplanten Residenz fertiggestellt. Den nutzte Marschall Tito, ehemaliger jugoslawischer Staatspräsident auf Lebenszeit, für Teege sell schaften mit Gästen aus aller Welt, darunter auch Treffen mit deutschen Bundeskanzlern wie Willy Brandt und Helmut Kohl, was Schwarz-Weiß-Fotos im Eingangsbereich bezeugen.

Hierhin zieht sich auch Nika Zupanc gern mal zurück. In dem stillen prächtigen Saal mit ausdrucksstarken Wandmosaiken, die im sozialistischen Realismus der Schaffenskraft und Energie des Arbeiter- und Bauerndaseins huldigen, hatte die 37-jährige Designerin auch die Idee für ihren „5 O’Clock Chair“. Ästhetisch kann sie hier nicht inspiriert worden sein, aber die Assoziationskette von Titos Teegesellschaften über Porzellangeschirr zu chinesischen Rosendekoren klingt schlüssig. Auffällige Rosenmotive schmücken die Bezüge des Sitzes und der Lehne. „Ein paar meiner Freunde sind Architekten, solche, die immer mit schwarzen Rollkragen rumlaufen, die haben gesagt: Oje, verschone uns mit solchen Entwürfen“, erzählt Nika Zupanc (sprich: Supanz) ganz cool, mit leichtem, aber unüberhörbar herausforderndem Unterton. „Für mich ist es meine Art der Rebellion: ein altes, in meiner Generation unbeliebtes Dekor auf ein modernes Produkt zu übertragen.“

Und nebenbei hat sie dafür technische Hürden gemeistert. Die hinteren Stuhlbeine kreuzen sich in der Verlängerung und halten die Rückenlehne. „Sie mussten jeweils aus einem Stück gefertigt werden, das Holz wurde gebogen, gedehnt, geschliffen. Der scharfe Knick, der zwischen Bein und Lehnenstütze entstanden ist, sieht aus, als seien zwei Teile zusammengeleimt. „Aber das wäre nicht stabil“, erklärt Nika.

Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Manuel Krug