Mathieu Lehanneur Forschendes Design

Vergangenheit und Zukunft interessieren ihn nicht. Mathieu Lehanneur erforscht mit seinen Arbeiten die Gegenwart und die Grenzen der Wissenschaft.

Der wichtigste Schlüssel zum Verständnis der Arbeiten von Mathieu Lehanneur findet sich am Ende eines Interviews, das er dem Ausstellungsmacher Hans-Ulrich Obrist gab. Der Rat an den Design-Nachwuchs: „So lange wie möglich nicht in Design-Literatur schauen.“ Publikationen zeigten lediglich die Vergangenheit, so Mathieu Lehanneurs Perspektive. Er sieht sich mit seinen Projekten als aktiver Gestalter der Gegenwart. Der beliebige Blick zurück in die Welt des Designs interessiere ihn ebenso wenig wie das Spekulieren über die Zukunft.

Wohl deshalb sind viele Projekte des 38 Jahre alten Franzosen so klar der Zeit verhaftet. Präzise, wie die Wissenschaftler, mit denen er arbeitet, geht Mathieu Lehanneur Themen an. Etwa beim Projekt „Andrea“, das er 2009 mit David Edwards, Biologe an der Harvard University, entwickelte: ein Luftfilter gegen Keime für den Hausgebrauch. Ebenso beim Diffuser „The Island“ von 2011, einer raumschiffartigen Apparatur, die durch Mikrofiltrieren von Seewasser die heimische Umgebung mit mineralisch angereicherter Luft versorgen will. Oft ist dabei Glas das erwählte, frei modellierbare Material, denn, so Lehanneur: „Glas ist für das Design, was ein Ei für das Kochen ist.“

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Autor:
Jörg Zimmermann