Die Werke von Stuart Haygarth Gestrandet und gefeiert

Der Londoner Stuart Haygarth sammelt alles, was ihm vor die Füße kommt. Meist aus Plastik. Und wenn er genug davon hat, verarbeitet er seine Fundstücke zu zauberhaften Installationen. (Kunst-)Sammler zahlen Höchstpreise dafür.

Albert verdankt er alles. Ohne den schwarzen Mischling hätte sich Stuart Haygarth bestimmt nicht aufgemacht, nachmittagelang am Dungeness Beach in Kent spazieren zu gehen. Und ohne die ausgedehnten Wanderungen am Strand hätte er auch nicht die vielen kleinen Plastikdinge entdeckt, die dort zwischen den Kieselsteinen vergessen oder von der Brandung angeschwemmt wurden: Spielzeugpistolen, Trichter, Töpfe, Schwimm- und Sonnenbrillen, Schalen, Schnuller, Feuerzeuge, Trinkflaschen, Becher, Quietscheentchen – es gibt nahezu nichts, was es am Strand nicht zu finden gibt. Und ohne diese vielen Plastikobjekte gäbe es nicht das imposante Leuchtobjekt, das Stuart Haygarth auf einen Schlag zu einem bekannten Namen in der Designszene gemacht hat.

„Tide“, Gezeiten, heißt die Installation, für die der Londoner Designer gestrandete Plastikteile zu Hunderten an weitgehend unsichtbaren Fäden zu einer Kugel von majestätischen eineinhalb Metern Durchmesser gehängt hat und diese als riesigen bunten Lampenschirm einsetzt. „Das Licht verändert den Plastikmüll, wenn es hindurchscheint“, begeistert sich der 47-jährige Haygarth für sein 2005 präsentiertes Erstlingswerk noch heute. Galerien und Sammler waren entzückt. Zehn Glückliche konnten ein Modell aus der Auflage erwerben.

Die weiteren Exemplare wurden allerdings aus gekauftem „Plastikmüll“ zusammengestellt. Das Original vom Strand hat Haygarth behalten.

Angesammelt hatte sich das Material über viele Jahre. „Ich habe alle Sachen gewaschen, sortiert, kategorisiert. Ursprünglich dachte ich, sie für meinen Beruf als Illustrator gebrauchen zu können.“ Den hat der aus Lancashire im Nordwesten des Landes stammende Hay garth 15 Jahre lang bis kurz vor seinem Durchbruch als künstlerischer Designer ausgeübt. Aufträge für viele angesehene englische Magazine erforderten Spiel- und Arbeitsmaterial. Und alles konnte nützlich sein. Irgendwann mal. Bestimmt. Aber eines Tages hat ihn die Arbeit als Illustrator nicht mehr ausgefüllt. Da hat er sich von seinem umfangreichen Archiv einfach zu neuen Taten inspirieren lassen.

Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Manuel Krug, Stuart Haygarth