Licht, Farbe, Raum: Im Haus von Finn Juhl

Mit Anleihen bei der modernen Bildhauerei brachte Finn Juhl Schwung in die dänische Möbelkunst. 1942 baute sich der Designpionier sein eigenes Haus nördlich von Kopenhagen. Es steht, als habe er soeben einen letzten Gast verabschiedet.

Hier wohnt der Poet. Aber auch der Affe. Und der Dackel. Das weiße Haus nördlich von Kopenhagen steckt voller dänischer Designklassiker, voller Kunsthandwerk und ausgesuchter Gemälde der klassischen skandinavischen Moderne. Von außen ein denkbar einfaches, bescheidenes Gebäude, offenbaren sich seine Schätze und die bis ins Detail durchdachte Struktur erst im Inneren: Das Haus wirkt wie eine Zeitkapsel. Es ist das einstige Wohnhaus von Finn Juhl (1912–1989), einem der bedeutendsten Designer der Nachkriegsmoderne, der außerhalb der Fachwelt erst im letzten Jahrzehnt mit seinen feinen, seinerzeit auch umstrittenen Möbelentwürfen wiederentdeckt wurde.

Denn im Gegensatz zu den in den 30er-Jahren strengen, konservativen Formen eines Kaare Klint (1888–1954) entwirft Finn Juhl Möbel, die an die amorphen Skulpturen seines Zeitgenossen Hans Arp erinnern. Fast zwei Jahrzehnte vor Arne Jacobsens heute so berühmtem Sessel „Schwan“ präsentiert er 1940 seinen „Pelikan“, ein voluminös bequemes Sitzmöbel mit Lehnen, die wie zurückgelegte Flügel aussehen. Es sieht aus wie ein „müdes Walross“, spotten Kollegen. Heute gilt Finn Juhl als Vater des dänischen Designs der Nachkriegsmoderne, das mit schlichten, aber eleganten Formen, mit Teakholz und Handwerkskunst weltweit bekannt wurde. Von Anfang an legt er besonderen Wert auf ausgesuchte Materialien und hervorragende Verarbeitung seiner Möbel. In seinen Interieurs gestaltet er jede Kleinigkeit, von Farbe, Material bis zur Lichtstimmung. Denn, so Juhl, nur wenn alle Komponenten,Textilien, Designobjekte und Kunst, eingeschlossen sind, zusammen spielen, ist für die Harmonie eines Raumes gesorgt.

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Autor:
Markus Frenzl
Fotograf:
Thomas Elmenhorst