Filmreife Kulissen Inneneinrichterin Conni Kotte

Die Hamburger Inneneinrichterin Conni Kotte setzt auf Phantasie, Intuition – und auf das Potenzial des „Mid-Century Style“ der 1940er- bis 1970er-Jahre. Der lässt viel kreativen Spielraum für Individualität.

Containerwand, Kistenstapel und Lagerhallenboden. Keine Frage, wir sind im Hafen, genauer: im „25hours Hotel“ in der Hamburger Hafencity. Inneneinrichterin Conni Kotte hat hier nicht einfach Räume ausgestattet, sondern komplexe Szenerien geschaffen, schließlich kommt die Frau vom Film. Bevor sie sich mit ihrem Objektbüro in Hamburg ganz auf das Einrichten konzentrierte, war sie nämlich Make-up-Artistin und leitete das Produktionsdesign. „Das ist das, was ich gut kann: Geschichten erzählen, sie glaubwürdig inszenieren, egal, ob das Gesichter sind oder Räume“, erklärt die 52-Jährige. „Ich habe mich immer gewehrt, in den Fundus zu gehen und damit meinen Film zu bestücken. Daran hat sich nichts geändert. Zuerst kommt die Idee. Dann schau ich, was es so gibt auf der Welt, um sie zu realisieren.“ Ob sie für Kunden ein altes Kutscherhaus renoviert, ein Loft gestaltet oder ein Hotel einrichtet, sie will weder bestimmte Materialien noch „ihr“ Design überstülpen.

Sie sucht das Passende für jeden Auftrag, lässt sich von ihrer Intuition leiten und schöpft aus dem Portfolio gesammelter Eindrücke. „Die trage ich wie einen Riesentopf in mir. Irgendwann kommt der Moment, wo Kunde und Objekt mich zu einer Idee inspirieren und ich sagen kann: Hier habe ich etwas, speziell für Sie.“ Wie ein Drehbuch braucht jedes Konzept eine Headline, die mit Atmosphäre gefüllt werden will. „Weltenmeere, Containerhafen, Seemannsheim“ lautete sie im „25hours Hotel“. Das Architekturbüro Stephen Williams Associates gab den Rahmen vor. Conni Kotte gestaltete das Bild auf ihre Weise aus und ging dabei weit über die üblichen maritimen Accessoires hinaus. „Ich finde es wichtig, eine Idee stilistisch auch mal zu verlassen. Wenn erst die ästhetische Spur gelegt ist, zu schauen, was passiert, wenn ich mal kurz abweiche“, meint sie.

Die Club-Etage lockern Felle auf, Kissen in Neonfarben und Tische, die an Turngeräte erinnern sowie lässige Ledersessel im „Mid-Century Style“, denn der ist ihr Lieblingsstil mit Möbel-Ikonen von Eames, Neutra, Noguchi – im Ensemble mit effektvollen Leuchten, Grafik-Mustern und Kunsthandwerk. „Die USA und Brasilien sind als Fundorte ein Eldorado. Dort hatte man eine andere Beziehung zu Dimensionen, ich mag einfach große Sachen“, erklärt Conni Kotte. Und was geht in kleine Wohnungen? „Viel mehr, als die meisten denken, wenn man Klarheit schafft, um individuellen Dingen Raum zu geben.“

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Autor:
Dagmar Steffen