Markenzeichen Möbel für Bildung

Stuhlreform: Mit Schulmöbeln ist Flötotto einst bekannt geworden. Jetzt nimmt die Traditionsfirma die Produktion wieder auf: mit einem neuen Entwurf von Konstantin Grcic.

Schülerarbeitsplatz Optimal,1965

Konstantin Grcic, Elmar und Frederik Flötotto sowie Stuhl Pro

Aktiv Sitzen Designer Konstantin Grcic testet seinen Stuhl „Pro“ zwischen den Flötotto-Geschäftsführern Elmar (l.) und Sohn Frederik Flötotto.

Was ist in Konstantin Grcic gefahren? Seit Jahr und Tag sitzt der Designer in seinem Münchner Büro auf einem sehr geraden, gelochten Kunststoffstuhl zum Zusammenstecken, ein Klassiker von Enzo Mari, der unbequemer kaum sein könnte. Er selbst entwirft Sessel und Stühle, deren meist eckige, gefaltete Formen ihren Sitzkomfort verleugnen als wäre der etwas Ansteckendes. Und ausgerechnet Konstantin Grcic hat nun für Flötotto einen Stuhl ersonnen, dessen weicher S-Schwung sagt: „Ich bin bequem!“ Noch dazu ist es ein Schulstuhl. Von einem, der Schule „doof“ fand: „Das war nicht meine Sache.“

Doch alles passt zusammen: Nicht nur, weil eine bekannte deutsche Marke mit dem wichtigsten deutschen Designer zusammenarbeitet, um ihr einstiges Kerngeschäft wieder aufzunehmen. Sondern auch deshalb, weil Schulstühle heute genau das ermöglichen sollen, was Konstantin Grcic ohnehin praktiziert: „Aktives Sitzen“. „Pro“ heißt sein Stuhl. Er besteht aus einer Sitzschale aus Polypropylen, die auf drei verschiedene Beingestelle montiert werden kann. Die Sitzfläche ist rund, um sich darauf zu drehen, die Rückenlehne schmal, um auch rittlings zu sitzen. Ihr S-Schwung, von der Seite erkennbar, stützt unten den Po und ist oben sanft nach hinten gebogen, sodass den Schülern keine Kante in den Rücken drückt, wenn sie nach vorne rutschen. Es ist eine Schale, die allein durch ihre Form Bewegung stimuliert und zugleich die notwendige Stabilität bietet. Und die – „das hat sich auf wundersame Weise so ergeben“, sagt der Designer – jenem Modell nah ist, mit dem Flötotto einst Marktführer bei Schulmöbeln war: dem „Formsitz“. Mit einem patentierten Verfahren hergestellt aus schichtverleimtem Holz, verkaufte er sich 21 Millionen Mal, und der Name Flöt otto wurde zum Synonym für innovatives Design im Bildungsbereich.

Formsitz, 1952

Vorgänger Der „Formsitz“, 1952, war aus schichtverleimtem Holz.

So soll es jetzt wieder sein. Als Gestalter kam nur Konstantin Grcic infrage, sagt Geschäftsführer Elmar Flötotto, der 2007 die Markenrechte am Unternehmen seines Bruders erwarb: „Wer kann Stühle, wer Reduktion, wer hat Sinn für so eine komplexe Aufgabe? – Konstantin Grcic hat begeistert zugesagt.“ So entstand in 30 Monaten ein neues „Möbel für Bildung“ von Flötotto, zeitgemäß in Form und Material. Und so elegant, dass man es auch in der Wohnung stellen kann. Wir lernen ja nicht nur in der Schule, sondern fürs Leben.

Autor:
Gabriele Thiels