Die Designbewegung Memphis Mythos Memphis

Vor 30 Jahren trafen sich eine Handvoll meist junger Menschen regelmäßig bei Designer Ettore Sottsass und tauschten sich mit ihrem Lehrer und Mentor über ihre Entwürfe aus. Aus dieser Gruppe entstand dann die legendäre Designbewegung. A&W traf sieben Gründungsmitglieder – Andrea Branzi, Aldo Cibic, Michele De Lucchi, Nathalie Du Pasquier, Barbara Radice, George Sowden sowie Matteo Thun – und sprach mit ihnen über das damals revolutionäre Projekt, über Motivation und Missverständnisse, über Anspruch und Wirklichkeit – und darüber, ob das zeitgenössische Design eine neue Revolution gebrauchen könnte.

A&W: Memphis wurde an einem geselligen Abend im Dezember 1980 gegründet. Erinnern Sie sich noch daran?

Barbara Radice: Ma certamente! Wir trafen uns regelmäßig in Ettore Sottsass’ und meiner 50-Quadratmeter-Behausung in der Via San Galdino. In dieser sonst leeren Wohnung saßen wir um einen Tisch, hörten Musik und sahen uns die Entwürfe der Anwesenden an.

Michele De Lucchi: Ich wohnte damals auf der anderen Straßenseite von Barbaras und Ettores Wohnung und war fast immer bei den beiden zu Hause.

A&W: Wie kam die Gruppe zustande?

Barbara Radice: Die Jungs arbeiteten mit Ettore zusammen… Matteo Thun: ... und manche von uns brachten ihre Freundinnen mit. Nathalie war ganz frisch aus Bordeaux gekommen und George Sowden mächtig stolz auf das schöne Mädchen. Martine Bedin war die damalige Flamme von Michele.

Nathalie Du Pasquier: Wir haben Unmengen von Wein getrunken… Aldo Cibic: ... und manchen Joint geraucht. Der Samstagabend war obligatorisch für das Treffen. Wehe, wenn man etwas anderes vorhatte. Das kam einem Verrat gleich!

Michele De Lucchi: Ettore war eine katalytische Persönlichkeit. Er erzählte vom Krieg, von seiner Arbeit bei Olivetti und von seinen Begegnungen mit Hemingway, und wir klebten an seinen Lippen.

Matteo Thun: Wir redeten nicht viel. Wir haben Sottsass die Arbeiten der Woche vorgelegt, meistens auf einem DIN-A4- oder DIN-A2-Blatt, und haben sie kurz erläutert. In den meistens Fällen hat er sie als überarbeitenswert zurückgelegt und die Arbeit von mehreren Wochen war dahin. Nur selten gab es eine spontane Akzeptanz des Konzepts“.

Nathalie Du Pasquier: Ich fand die Erklärungen zu den Entwürfen meistens sehr komisch. Barbara Radice: Wir waren fast alle unerfahren, hatten keine Ahnung, auch wenn die Amerikaner dachten, hinter Memphis stünde ein PR-Genie.

A&W: Wie kam es zu dem Namen?

Barbara Radice: An dem Abend im Dezember 1980, als wir alle zusammensaßen und über einen Namen für die erste Präsentation nachdachten, lief eine Platte von Bob Dylan mit dem Song Stuck Inside of Mobile with the Memphis Blues Again“.

Matteo Thun: ... und genau an der Stelle mit dem „Memphis Blues“ hatte die Platte einen Sprung.

 

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Autor:
Manuela van Rossem