Win-win-Verbindung Noé Duchaufour-Lawrance und seine Entwürfe für Ceccotti

Der französische Designer Noé Duchaufour-Lawrance zitiert gern Formen aus der Designgeschichte. Dass seine kühnen Holzmöbel in höchster Qualität realisiert werden können, verdankt er der Kunst toskanischer Handwerker.

„Wie mit einem Strich gezeichnet sollen meine Möbel aussehen“, wünscht Noé Duchaufour-Lawrance, 38. Denn so eingängig die organisch geschwungenen Linien und Formen sind, so komplex ist ihre Realisierung aus Walnuss-, Ahorn- oder Ebenholz. Eine Herausforderung, selbst für Spezialisten. Der französische Designer und Innenarchitekt wusste früh, wem er die Umsetzung zutraute – einem kleinen toskanischen Unternehmen: „Die hohe Handwerkskunst von Ceccotti Collezioni hat mich immer fasziniert.“

Noé Duchaufour-Lawrance, der Metallbildhauerei und Möbeldesign studiert hat, überzeugte 2004 Franco Ceccotti, den Chef des Familienunternehmens, mit seinem Entwurf aus Studienzeiten für einen Schreibtisch namens „Manta“. Er gilt heute als ein Meisterstück. Zwei Jahre dauerte es, bis die ursprünglich für den Kunststoff Carbon erdachten Formen in den Werkstoff Holz übersetzt waren. „Ich hatte keine Erfahrungen mit Holz, musste seine Möglichkeiten und Grenzen erst verstehen und die Herstellungstechniken in dem Ceccotti-Atelier erlernen.“ Wie wird welches Holz geschnitten? Wie dick darf – und muss – das Material sein? Wie viel Spannung verträgt es? Schreinermeister Luciano Mancin, der für die Prototypen zuständig ist, wird sein Partner vor Ort. Delikat sind die Verbindungen der Holzelemente: je weniger Teile, desto eleganter – aber stimmt die Statik dann noch?

Viermal zeichnete der Designer die Tischbeine neu, viermal baute der Schreiner den „Manta“ neu, viermal geht das Möbel in die Testphase. Bis es perfekt ist und im Raum zu schweben scheint. Die 20 Exemplare der limitierten Serie finden schnell Liebhaber – trotz seines stolzen Preises, den nur die Käufer wissen. Inzwischen kennt sich der Designer in der 40-Mitarbeiter-Manufaktur gut aus, wo Stuhllehnen bis zu sechs Stunden von Hand poliert werden. Er weiß, was zu beachten ist, wenn unterschiedliche Materialien kombiniert werden. Und er hat gelernt, Entwürfen für Holz sanftere Kurven zu verleihen als denen für Kunststoff. Zudem stellt er seine Zeichnungen jetzt auch per Computer dreidimensional zur Verfügung, das erleichtert den Tischlern die Umsetzung.

Seit 2006 entwarf der Franzose mehr als 20 Möbelstücke für Ceccotti. Mit der Exposition „Connexions“ wurden sie auf der diesjährigen Mailänder Möbelmesse gefeiert. Darunter ein Stück mit Kultcharakter: der Schreibtisch „Omaggio“. Noé Duchaufour-Lawrance ist auf der Karriereleiter weit nach oben gestiegen. 2007 wählte die Messe „M&O Scènes d’Intérieur“ ihn zum „Designer des Jahres“. Mit dem Flakon „1 Million“ für das Paco-Rabanne-Parfüm hat er einen Bestseller gelandet. Er entwirft für Baccarat, Zanotta und Cinna, gestaltet in St. Tropez, Monaco, Paris und Gstaad Restaurants, Bars, Cafés, Chalets. Die neue Business Lounge der Air France auf dem Pariser CDG stammt von ihm. Sein letzter Coup: das „Ciel de Paris“ im 56. Stock des Tour Montparnasse – das höchste Restaurant Europas. Rundum Top-Aussichten. ceccotticollezioni.it; noeduchaufourlawrance.com

Autor:
Eva Müller-May
Fotograf:
Franco Ficelli, Riccardo Bianchi