Designgeschichte Ray Eames - Die bessere Hälfte?

Sie sind das berühmteste Paar der Designgeschichte: Ray und Charles Eames verkörperten den amerikanischen Traum. Der große, gut aussehende Charles und die kleine Ray an seiner Seite. Aber auch in seinem Schatten. Vor Kurzem hätte Ray Eames ihren hundertsten Geburtstag gefeiert. Anlass, ihre Rolle neu zu bewerten.

Wie man sich irren kann: Als Ray und Charles Eames 1977 ihren eindrucksvollen Kurzfilm „Powers of Ten“ der Weltöffentlichkeit vorstellten, eine rasante virtuelle Kamerafahrt von einer Wiese in Chicago bis ins Universum und zurück, lobte die renommierte „New York Times“ überschwänglich dieses originelle „Werk der Eames Brothers“. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten die Eames schon seit mehr als 35 Jahren höchst erfolgreich zusammen. Aber Ray Eames wurde in der Öffentlichkeit meist nur als Begleiterscheinung ihres einnehmenden und sehr präsenten Ehemannes Charles wahrgenommen – manchmal sogar nur als kleiner Bruder.

Eames Demetrios sitzt auf dem Podium im Vitra-Haus in Weil am Rhein. Er ist nach Deutschland gekommen, um Rays Bedeutung für das Dream-Team des Designs zu unterstreichen, und blickt schmunzelnd in rund 200 erstaunte Gesichter. Die anwesenden Journalisten können die Anekdote kaum glauben, die ihnen da vorgetragen wird vom Enkel des berühmten Designerpaares. Genauer gesagt: Eames Demetrios ist der Sohn von Charles’ Tochter aus erster Ehe.

Mit dieser Ehe stand es schon nicht mehr zum Besten, als sich Ray und Charles 1940 erstmals begegneten. Zu der Zeit arbeitete die studierte Künstlerin Ray gemeinsam mit Harry Bertoia an Schaubildern für Möbelentwürfe, die Charles Eames und Eero Saarinen für den später legendär gewordenen Wettbewerb „Organic Design in Home Furnishings“ im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) eingereicht hatten.

 

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Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Courtesy Eames Office LLC