Material aus dem Meer

Seetang-Workshop von Julia Lohmann

Julia Lohmann, aktuelle „Audi Mentorpreisträgerin by A&W“, hat in einem Workshop bei Audi mit dem ungewöhnlichen Werkstoff Seetang erstaunliche Ergebnisse erzielt.

Algenalarm in Ingolstadt! Algen sind im Allgemeinen eine wenig angesehene Pflanzengruppe. Sie nerven beim Schwimmen, sind glitschig und stinken. Nicht gerade Sympathieträger. Es sei denn, man fragt Julia Lohmann. Die deutsche Designerin, die seit zwölf Jahren mit ihrem Mann Gero Grundmann und seit zehn Monaten mit Sohn Johannes in London lebt und dort am Royal College of Art als Designerin ausgebildet wurde, kann dem Meereskraut viel Positives abgewinnen. Sie kann sich gut vorstellen, dass sich Algen als preiswertes und vor allem nachhaltiges Material in der Zukunft etablieren werden. Erste Erfolge, es im Produkt- und Möbeldesign zu verwenden, hat sie schon erzielt. Mit den Werkstätten Hellerau bei Dresden hat sie ein Möbelfurnier aus Seetang entwickelt. Überhaupt arbeitet sie mit einigen in der Designszene bisher weitgehend unentdeckten Materialien. Mit Tierknochen aus der Themse, die sie poliert und zersägt als Vasen nutzt. Ihre Sitzbänke, die Namen wie „Belinda“ tragen, sehen aus wie kopflose Kühe und sind tatsächlich mit dem Leder einer Kuh bezogen. Ein bisschen skurril, aber im Grenzbereich zwischen Design und Kunst wirken sie nicht nur als profane Sitzgelegenheiten, sondern sollen den Besitzern bewusst machen, wo das Leder, auf dem sie sitzen, herkommt (siehe A&W 3/2010).

 

Schlagworte:
Autor:
Jan van Rossem
Fotograf:
Volker Renner