Kunst als Rahmenprogramm Die erste Documenta

Gefragt war ein bisschen Kunst als Rahmenprogramm der Bundesgartenschau. Doch zwei Männer griffen zu: Ihre Schau wurde zur Keimzelle einer Institution.

Die 1. dOCUMENTA

Nach dem Krieg schien Kassel bei Null angekommen. Schlimmer zerstört als die meisten anderen Städte, weil Panzer und Flugzeugmotoren hier gebaut worden waren; aus dem Drehkreuz der großen Verkehrsachsen an den Rand gedrängt, weil mitten durch Deutschland, nur wenige Kilometer entfernt, plötzlich der Eiserne Vorhang verlief. Und dann auch noch dem viel hübscheren Bonn unterlegen im Kampf um die Würde einer Hauptstadt: Welches Glück die Stadt gehabt hat, sollte sich erst später erweisen.

Als Ausgleich für Bundeskanzleramt und Ministerien kamen ein paar nachgeordnete Instanzen und eine Gartenausstellung nach Kassel. Und an einen ortsansässigen Maler und Möbelentwerfer ging das Mandat, als kulturelles Nebenprogramm zu den blank polierten Äpfeln und den Staudenpflanzen eine internationale Dokumentation zum Stand der modernen Kunst auszurichten. Der Mann hieß Arnold Bode, sein Projekt nannte er in modischer Kleinschreibung „documenta“. Und wer heute etwa im Internet nach der Bundesgartenschau von 1955 sucht, der findet die Vorzeichen korrigiert: War das nicht die Veranstaltung, die den blumigen Hintergrund zur Premiere einer Weltausstellung der Ideen gegeben hatte?

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Autor:
Martin Tschechne
Fotograf:
Archiv Vroni Heinrich/Fotograf unbekannt, Beate Maltusch, Manfred Handke