Die Familiengeschichte von Antiquitätenhändler Konrad O. Bernheimer

Seine Vorfahren belieferten den bayerischen König, die Krupps und Thomas Mann: Der Münchner Konrad O. Bernheimer ist Kunsthändler in vierter Generation. Nun hat er die Geschichte seiner Familie aufgeschrieben.

Mittags stand der weiße Chevrolet vor der Schule; der Großvater ließ den Enkel abholen: ins Geschäftshaus der Familie am Münchner Lenbachplatz, manchmal auch zu den prunkvollen Interieurs im Bayerischen Nationalmuseum. Da war der Junge keine zehn Jahre alt. Konrad O. Bernheimer – das O steht für Otto, den Namen des Großvaters – sollte früh das Geschäft des Antiquitätenhändlers erlernen, vertraut sein mit Barock und Biedermeier, Wellenschrank und Buddhafigur. Die Bernheimers belieferten schon König Ludwig II. mit Stoffen für seine Traumschlösser, die Krupps kauften für die Villa Hügel in Essen bei ihnen ein, der Mathematikprofessor Alfred Pringsheim ließ seine Tochter Katia und den aus Lübeck zugezogenen Schwiegersohn großbürgerlich von ihnen ausstatten: Thomas Manns berühmter Schreibtisch, neobarock geschnörkelt, ist ein Stilmöbel aus dem Hause Bernheimer.

Konrad O. Bernheimer, Kunsthändler in vierter Generation, hat die Familiengeschichte aufgeschrieben. Vom Glück eines tüchtigen Hoflieferanten ist in seinem Buch „Narwalzahn und alte Meister“ zu lesen, vom stürmischen Elan der Gründerzeit, in der Bernheimers Schätze als Statussymbole einer wohlhabenden und gebildeten Elite verbreitet waren. Und von den Misshandlungen und der Folter der deutsch-jüdischen Familie durch die Nazis, von Flucht, Vertreibung und Verzweiflung. Konrad O. Bernheimer wurde 1950 auf einer Kaffeeplantage in Venezuela geboren; der Vater nahm sich lieber das Leben, als ins Nachkriegs-Deutschland zurückzukehren, K. O. Bernheimer folgte 1954 dem Großvater.

Irgendwann gelang es dem Jungen, den Großvater vom Kunstgewerbemuseum in die Pinakothek zu locken, von den Tabernakelsekretären hin zu Lenbach, Tizian und Altdorfer. Gemälde waren seine Leidenschaft, der „Hirtenjunge“, das Porträt Karls V., die „Alexanderschlacht“. Und sie blieben es: 1977 übernahm der Enkel das Geschäft, verkaufte 1985 das prunkvolle Palais am Lenbachplatz, zog 1998 in die Brienner Straße und trennte sich in den 90er-Jahren schließlich von Stilmöbeln, Perserteppichen und Antiquitäten. An den Wänden seiner noblen Galerie hängen heute Werke von Brueghel, Cranach und Rubens: In vierter Generation ist der Kunsthändler bei den alten Meistern angekommen.

2001 kaufte Bernheimer die Londoner Traditionsgalerie Colnaghi hinzu; eine zentrale Rolle auf dem internationalen Kunstmarkt spielte er da schon lange: Als Vorstand der TEFAF in Maastricht, der wohl exquisitesten Kunstmesse der Welt, ist er ein Pate, der Karrieren aufleuchten lassen kann. Als Gründer der „Munich Highlights“ versammelt er die besten Kunsthändler in Deutschland, in diesem Jahr erstmals im Innenhof der Residenz: standesgemäß. Und wenn er und seine Tochter Blanca, die sich als Galeristin für Fotografie etabliert hat, daheim, gegenüber dem Reiterstandbild von Maximilian I. auf dem Wittelsbacher Platz, den roten Teppich zur Vernissage ausrollen, dann ist die Münchner Gesellschaft zur Stelle. Dann halten die Bernheimers wieder Hof.

Konrad O. Bernheimer: Narwalzahn und alte Meister

Hoffmann & Campe, Hamburg. 380 Seiten, 25 Euro. Über: froelichundkaufmann.de

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Martin Tschechne