Interview mit Edward Horswell Begehrte Sammlerobjekte: Tierplastiken

Pferde, Kühe, Hühner, Hunde: Mit Kleinskulpturen lässt sich - pflegeleicht - eine häusliche Menagerie einrichten. Der Londoner Galerist Edward Horswell informiert über ein hochkarätiges und amüsantes Sammelgebiet.

Pelikan Rembrandt Bugatti

A&W: Mr Horswell, was hat Sie zum Sammler von Tierplastiken gemacht? Edward Horswell: Ich bin auf Sladmore Farm in Buckinghamshire nicht weit von London aufgewachsen. Zuerst züchteten meine Eltern nur English Pointer, das sind Vorstehhunde. 1950 fingen sie dann an, Tierbronzen zu sammeln. Als sie zehn Jahre später eine ansehnliche Kollektion von Plastiken der französischen Animalier-Bewegung zusammenhatten, eröffnete meine Mutter auf der Farm eine Galerie. Das war 1965. Zu den Hobbys meines Vaters gehörte ein 40 Hektar großes Aviarium, in dem er exotische Vögel, Enten und Gänse, aber auch Flamingos und Papageien hielt. Auf diese Weise lebte ich auf Sladmore Farm im Haus inmitten einer Bronze-Menagerie, während mich draußen leibhaftiges Federvieh umgab.

Tierplastiken Galerie Horswell

Ein Exempel vom Begründer der Animalier-Bewegung Antoine-Louis Barye: „Pferd, vom Löwen angegriffen“, 1857. Elizabeth Frink: „Liegendes Pferd“, 1972. Francois Pompon: „Hahn“, 1914.

A&W: Daraus entstand Sladmore, heute eine international renommierte Galerie für Kleinplastiken in London. E. H.: Meine Mutter verlegte ihre Galerie 1968 nach London, zum Bruton Place in Mayfair, wo ich seit 1980 mitgearbeitet habe. Heute befindet sich dort Sladmore Contemporary, der Zweig der Galerie, der sich mit zeitgenössischen Tierbildhauern beschäftigt und die Pferdeköpfe von Nic Fiddian-Green zeigt oder die afrikanischen Tiere von Mark Coreth. Mein Partner Gerry Farrell managt diesen Zweig von Sladmore. Ich leite dafür seit 1985 die Dependance in der Jermyn Street, wo der Akzent auf den Skulpturen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts liegt, etwa denen des Bildhauers Antoine-Louis Barye.

A&W: Dieser Barye war einer der Ersten in der Animalier-Bewegung, wie man eine Gruppe von Künstlern nannte, die sich auf Tierskulpturen spezialisierten. E. H.: Seinen Ruf als Tierbildner begründete er 1831 mit der Skulptur eines Tigers, der ein Krokodil zerreißt. Noch mehr bejubelten die Zeitgenossen seinen bronzenen Löwen, der eine Schlange besiegt. Er brachte ihm den Ritterschlag und die Aufnahme in die Ehrenlegion ein. Antoine-Louis Bayre verstand es, den Überlebenskampf von Tieren in der Wildnis darzustellen.

A&W: Was vermutlich auch symbolisch verstanden wurde, der Kampf der Mächtigen mit ihren Neidern zum Beispiel. Tiere gehörten schon in der Antike und früher zu den wichtigen Motiven von Künstlern. Was zeichnet die Animalier-Bewegung aus? E. H.: Meist waren Tiere Beiwerk, selten ein eigenständiges Thema. Doch als im Frankreich des 19. Jahrhunderts die Wirtschaft einen Aufschwung erlebte, ließ das wohlhabende Bürgertum nicht nur seine Söhne und Töchter porträtieren, sondern wollte auch von seinen Tieren Ebenbilder gern dreidimensional haben. Animalier nannte man damals einen Künstler, der sich auf möglichst naturnahe Porträts von Tieren spezialisiert hatte.

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Schlagworte:
Autor:
Josephine Grever
Fotograf:
James Merrell