Deutsche und japanische Handwerkskunst Das Projekt „global:local“

Alles wird billiger – alles verwechselbarer: ein Prozess, dem sich „global:local“ entgegenstellt, ein Projekt des Deutschen Designer Clubs (DDC), das die heimische mit japanischer Kreativität und Handwerkskunst vereint.

Hokaido Bank

Sheep Chair

Präzision

Tetsuro Yokotas „Sheep Chair“ zeigt, was japanische Möbelbauer können.

Woher kommt das Möbelstück, wer hat es gebaut? Besteht es aus ökologischen Materialien? „Immer mehr qualitätsbewusste Menschen sind mit anonymer Ware unzufrieden, die überall auf der Welt gleich aussieht. Sie erwarten Biografien, Eigenheiten und Authentizität“, sagt Wolf Udo Wagner. Er nennt das die „Fußspuren eines Produkts“. Der 44-Jährige ist Produktdesigner und Vorstand des Deutschen Designer Clubs (DDC) in Frankfurt, ein Club, der gute Gestaltung fördert. Das aktuelle DDC-Projekt, das den Trend „zugunsten lokaler Kompetenz und Qualität“ stärken soll, heißt „global:local“. Sein Konzept: Entwürfe werden von regionalen Experten umgesetzt. Partner ist die Asahikawa Furniture Industry Cooperative.

 

Eckverbindungen

Die Eckverbindungen des kristallinen „Voronoi-Stuhls“ von Bernhard Franken erfordern mathematisches Kalkül.

Asahikawa ist ein japanisches Zentrum der Möbeltischlerei, berühmt für präzise Fertigung und kunstvolle Holzverbindungen. „Wie Solingen für Klingen bündelt die Stadt ein Know-how. Fertigkeiten und Wissen werden von Generation zu Generation weitergegeben. Ein Erfahrungsschatz, der kreative Möglichkeiten eröffnet“, sagt Wolf Udo Wagner. Fünf der gut 50 lokalen Hersteller haben sich an „global:local“ beteiligt, der größte hat über 300 Mitarbeiter, der kleinste zwei. Sie realisieren – zunächst als Prototypen – die Ideen von fünf DDC-Mitgliedern, darunter Tassilo von Grolman, Bernhard Franken und Sylvia Leydecker.

Voronoi-Stuhl

Voronoi-Stuhl

„Gestaltet Dinge, die fordern, denn die japanischen Manufakturen können vieles“, lautete Wolf Udo Wagners Briefing, der häufig mit Handwerkern aus der Region zusammengearbeitet hat. So entstanden Bänke, die zu schweben scheinen, Stühle, die Pirouetten drehen oder nach einer komplexen mathematischen Formel, dem Voronoi-Diagramm, entworfen sind – fünf neue Gegenstände, reduziert und poetisch wie Zen-Kunst. Vom 17. bis 23. Januar sind die Möbel der DDC-Mitglieder mit Vergleichs-Objekten von sechs japanischen Kollegen, die von den gleichen Handwerkern hergestellt worden sind, auf der Kölner Möbelmesse zu sehen.

Weitere Infos unter www.project-globallocal.com

Schlagworte:
Autor:
Petra Mikutta
Fotograf:
Erika Koch