Antiquitäten Die Wunderkammern der Renaissance

Der Münchner Kunsthändler Georg Laue ist auf Objekte der Kunst- und Wunderkammern spezialisiert: Trophäen, mit denen sich Renaissance-Fürsten die Welt erklärten.

Nautiluspokal, Pulverhorn und Kokosnusspokal

A&W: Herr Laue, der Berliner Manager und Kunstmäzen Thomas Olbricht gilt als einer der mutigsten und profiliertesten Sammler zeitgenössischer Kunst in Deutschland. War es sehr schwer, ihn für 500 Jahre alte Elfenbeinschnitzereien oder fein polierte Kännchen aus Bernstein zu begeistern? Georg Laue: Im Gegenteil! Als wir uns das erste Mal auf der Kunst- und Antiquitätenmesse in Maastricht begegneten, war er fasziniert und zugleich enttäuscht, dass so viele meiner Objekte schon für andere Sammler reserviert waren.

Nautiluspokal, Pulverhorn und Kokosnusspokal

Aufbruch in ferne Welten. Der gravierte Nautiluspokal stammt aus Amsterdam, um 1660. Links dahinter ein mit Perlmutt belegtes Pulverhorn aus dem indischen Gujarat, um 1600, und ein beschnitzter Kokosnusspokal aus Antwerpen.

A&W: Mittlerweile hat sich die Enttäuschung gelegt. Die Kunst- und Wunderkammer in der Sammlung Olbricht in Berlin umfasst mehr als 150 Stücke, und Sie fungieren offiziell als ihr Berater. Wie geht das zusammen: zeitgenössische Kunst – Fotos von Cindy Sherman etwa – und das anatomische Miniatur-Modell einer schwangeren Frau von 1680? Laue: Das Wunder solcher Objekte liegt im Wundern selbst. Sie sind Dokumente des Staunens, sie reflektieren Entdeckerfreude, Augenlust. In der Renaissance betraten Menschen neue Kontinente. Alle paar Jahre wurde der Globus neu vermessen, die Astronomie erfasste den Sternenhimmel. Die Medizin etablierte sich als Wissenschaft. Überall war Aufbruch. Insofern liegt die Verbindung zur zeitgenössischen Kunst doch beinahe auf der Hand.

Seite 1 : Die Wunderkammern der Renaissance
Schlagworte:
Autor:
Martin Tschechne
Fotograf:
Bärbel Miebach