Markus Eisenbeis, Chef des Auktionshauses Van Ham, erklärt

Günstige Antiquitäten

Möbel aus Barock und Biedermeier haben eine eigene Aura und galten lange als kostbare Antiquitäten. Doch heute sind sie kaum gefragt und günstig zu haben. Markus Eisenbeis, Chef des Kölner Auktionshauses Van Ham, erklärt, warum das so ist. Und dass die Zeiten für Entdecker und Schatzsucher nie besser waren.

Markus Eisenbeis

Kaminschirm

Kaminschirm mit Stickbild aus dem 19. Jahrhundert (400 Euro). Alle Preise sind Schätzpreise. 

A&W: Herr Eisenbeis, stellen Sie sich einen Vertreter Ihrer Generation vor – Ende 30, Anfang 40, gebildet, in seinem Beruf erfolgreich und endlich in der Lage, ein bisschen Geld auszugeben für schöne Dinge – wäre das nicht ein guter Kandidat für einen spektakulären Barockschrank?

MARKUS EISENBEIS: Das wäre schön. Aber nach meiner Beobachtung richten sich die Leute der nachwachsenden Generation heute lieber streng und puristisch ein. Sie legen Wert auf eine klare Linie. Alles soll aus einem Guss sein, vom Schlafzimmer bis zur Küche – wie in einem Design-Hotel. Selbst die Kunst soll sich da einordnen: kühl und modern; sehr beliebt ist Fotografie wegen ihrer glatten Oberflächen. Deshalb ist sie in jüngerer Zeit auf dem Markt auch teuer geworden.

Und mittendrin ein Glanzstück, ein Gemälde im geschnitzten Goldrahmen, ein Barocksessel oder ein besonders schöner Biedermeier-Sekretär…

Ach ja, „Crossover“, das war eine tolle Idee. Aber dieser Mix der Epochen und Stile ist nicht so einfach, wie es klingt. Man muss mutig sein, Kontraste wagen. Wenn etwa der Rest der Einrichtung geradlinig und streng ist, dann sollte ein Einzelstück Formen haben. Biedermeier wäre da wahrscheinlich zu dezent – wenn es nicht gerade eines dieser spektakulären Möbel etwa vom Wiener Hof ist. Aber Barock, geschwungen, mit Bauch und viel Tiefe: Das könnte eine tolle Wirkung haben. Solche Möbel brauchen Platz zum Atmen, damit sie ihre skulpturale Wirkung entfalten können. Man muss sie gekonnt ins Licht setzen. Dafür braucht man ein Händchen.

 

Schlagworte:
Autor:
Martin Tschechne
Fotograf:
Albrecht Fuchs