Möbelkunst bildet Interview mit Antiquitätenhändler Christian Eduard Franke

Wer sich auskennt, kann in Gesellschaft funkeln. Der Bamberger Antiquitätenhändler Christian Eduard Franke handelt mit Spitzen des Ebenistenhandwerks.

Antiquitätenhändler Christian Eduard Franke im Gespräch

Christian Eduard Franke führt sein Geschäft mitten im historischen Zentrum Bambergs, in einem mittelalterlichen Stadthaus. Er gehört zur nachrückenden Generation hochkarätiger deutscher Antiquitätenhändler und ist unter ihnen sicher einer der temperamentvollsten.

A&W: Herr Franke, können Möbel Kunstwerke sein? Christian Eduard Franke: Sie bleiben Gebrauchsgegenstände: Ihr Nutzer soll eine Lampe darauf stellen, Tischwäsche verstauen oder ein Buch darauf ablegen können. Das macht sie zu Gefährten im Alltag. Gerade in dieser Verpflichtung zu dienender Funktion sahen die großen Möbel-Künstler ihre besondere Herausforderung: Sie schufen Kunstwerke mit einem eigenen Bezug zum Leben.

A&W: Also Zeitzeugnisse… Christian Eduard Franke: Und das in mehrfacher Hinsicht! Ästhetisch sowieso. Aber auch im Hinblick auf Zeitgeist, Ideale und sogar auf die Entwicklungen in Technik und Ökonomie…

A&W: Das müssen Sie bitte erklären. Christian Eduard Franke: Nehmen Sie Charles Topino. Franzose, geboren um 1735, gestorben 1803, ein führender Vertreter der Stile Transition und Louisseize. Und ein Pionier: Seine meist eher kleinen Möbel – etwa Guéridons oder Chiffonnieren, also Beistelltische oder kleine Kommoden – gehören zum Feinsten, was seine Epoche hervorgebracht hat. Dass sein Name heute nicht so präsent ist wie etwa der seines berühmten Vorgängers André-Charles Boulle, liegt an den Umständen der Zeit – und auch an neuen Fertigungs- und Vertriebsmethoden. Da war Topino ein Pionier.

Restaurierungswerkstatt von Christian Eduard Franke

 Zum Geschäft gehört die Restaurierungswerkstatt mit drei Restauratoren.

A&W: Inwiefern? Christian Eduard Franke: Er konzentrierte sich auf das, worin er unübertroffen war: auf Einlegearbeit, die sogenannten Marketerien. Wenn Sie seine Darstellungen südlicher Landschaften sehen, seine Tempelruinen, die Blumenbouquets oder die Chinoiserien – alles komponiert aus Obsthölzern, aus Ahorn, Rosenholz oder Nussbaum –, dann erleben Sie künstlerische Höhepunkte seiner Zeit.

A&W: Und der Künstler selbst bleibt im Hintergrund? Christian Eduard Franke: Charles Topino suchte die Kooperation. Er arbeitete als freier Ebenist in Paris, war zeitweilig auch Vorsitzender seiner Zunft – aber er lieferte nicht mehr nur an private Klienten, wie es zuvor üblich war. Es gab ein enges Netz aus Kunstschreinern und spezialisierten Händlern, mit denen er zusammenarbeitete. Manchmal ergänzte er deren Programm mit kompletten Stücken, manchmal steuerte er nur die Marketerien bei. Er übernahm Möbel, die er in seiner Werkstatt fertig dekorierte, und er vergab Aufträge, etwa an Bronzegießer, die Applikationen nach seinen Vorgaben anfertigten.

A&W: Klingt nach einer flexiblen Form von Arbeitsteilung. Christian Eduard Franke: Es war eine Zeit des Übergangs. Nicht leicht, auch geschäftlich nicht: Topino selbst erlebte einen Bankrott, im Dezember 1789, zu Beginn der Revolution. Die Künstler standen in einem Wettbewerb, der sie immer wieder zu Spitzenleistungen antrieb. Zugleich mussten sie sich organisieren, um all die Wünsche zu bedienen, die vom Hof, vom Adel und zunehmend aus dem gebildeten Bürgertum kamen.

Seite 1 : Interview mit Antiquitätenhändler Christian Eduard Franke
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Autor:
Martin Tschechne
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Regina Recht