Schrankkoffer-Kabinett eines Marketeriekünstlers Schrankkoffer-Kabinett

Mit der Säge zeichnete ein Augsburger Marketeriekünstler das Labyrinth aus Bögen, Säulen und Erkern. Sein Malgrund: ein 50-teiliges Tischkabinett. Auf der Auktion bei Christie’s lieferte es die Sensation der Saison.

tischkabinett

Der Fotograf war kein Meister. Die vorab geschickten Bilder des schrankkoffergroßen Kabinetts aus Mailänder Privatbesitz verrieten nichts von der Sensation, die sich in den Papierhüllen verbarg. Je mehr von ihnen fielen, desto schneller verwandelte sich bei den Mitarbeitern des Auktionshauses Christie’s die Routine in Schatzgräberstimmung. Vor ihnen breitete sich, aufs Zierlichste ins Holz gearbeitet, eine blonde Ruinenlandschaft aus, eine Welt, die voller bizarrer stereometrischer Figuren, Pflanzen und Vögel steckte.

Bei Christie’s

Die Sensation wurde noch größer, als ein Bündel Schlüssel auftauchte und sich Türen öffneten, die Schubladen, Kästchen und herausziehbare Pulte freigaben. „Jeder begriff sofort, dass er vor etwas Großartigem stand“, erinnert sich Möbel-Experte Marcus Rädecke. In den Wochen darauf durchlief das Tischkabinett die bei Christie’s übliche Prozedur, von der ersten Beschreibung bis zum „hilling“, der abschließenden Spezialistenrunde, die vor Kataloglegung alle Fakten kontrolliert und korrigiert.

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Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Christie’s