Next Generation

Designfakultät der Uni Bozen

Die Designfakultät der Uni Bozen zeichnet sich durch eine fächerübergreifende Ausbildung und gezielte Vorbereitung auf das Berufsleben aus. Das sind die Maximen des Dekans Kuno Prey.

Lehrer und Eleven

Tomas Schön

Flachgelegt: Tomas Schön und sein Regal „You are on the woodway“.

Der Gang ist energisch, die Hand ruht lässig in der Hosentasche, die Augen blicken freundlich und interessiert. Trotzdem scannt er die Umgebung, nichts entgeht ihm, hier grüßt er einen Bauarbeiter, dort den Architekten, dann wieder eine Studentin. Im Vorbeilaufen repariert er einen Schalter, witzelt über die Wegleitung und freut sich über die Aussicht von der Dachterrasse. Kuno Prey ist das, was man einen Design - pionier nennt: Nach seiner Ausbildung an der Mailänder Design-Kaderschmiede Domus Academy, leitet er die von Lucius Burckhardt an der Weimarer Bauhaus Universität initiierte Fakultät für Gestaltung. 2002 begründet er den Kunst- und Designlehrgang an der Universität Bozen und prägt ihn nachhaltig. Der 52-Jährige hat ganz klare Vorstellungen: Das Studium unter seiner Ägide ist interdisziplinär und praxisbezogen. Anders als bei vergleichbaren Instituten, wird am Anfang nicht zwischen Visueller Kommunikation und Produktdesign unterschieden. Die Grundlagen der Gestaltung sind für alle gleich. Und erlauben den Studenten doch ein Höchstmaß an Vielfalt und Individualität.

Regal

Regal „You are on the woodway“.

Gefragt sind Phantasie und Innovation. Tomas Schön wollte mit seinem Regal „You are on the woodway“ ein Produkt schaffen, das von der Zweidimensionalität in die dritte Dimension springt. Die Böden des flachen Boards klappen auf und werden mit einem einfachen Band in der Horizontalen fixiert. „Das Prinzip stammt aus der Metallbearbeitung“, erklärt Kuno Prey, und der gebürtige Argentinier ergänzt: „Mich hat die Technik des Laserschnitts fasziniert und die Elastizität des Materials Holz.“ Das Regal überzeugt – durch Leichtigkeit, einfache Montage und dadurch dass es ohne Abfall produziert werden kann.

Papierleuchte „Nuvola“

Recycelte Papierleuchte „Nuvola“ von Josefine Tinkhauser.

Verschmitzt grinsend fischt die Südtirolerin Josefine Tinkhauser zerknülltes Papier aus dem mitgebrachten Karton. Liebevoll zupft sie das Blatt zurecht, bevor sie es über den Metallbogen ihrer Leuchte „Nuvola“ (Wolke) legt. „Lange fehlte mir die richtige Idee für meinen Entwurf“, sagt sie. „Alle meine Skizzen wanderten zusammengeknüllt in den Papierkorb. Und dadurch kam mir die Erleuchtung!“ Kuno Prey schätzt an dem Entwurf vor allem den interaktiven Charakter der Leuchte, die Form, die der Benutzer selbst bestimmt, indem er das Papier in der einen oder anderen Weise arrangiert und natürlich die Möglichkeit, auch beschriebenes und gestaltetes Papier zu nehmen, „man kann dafür selbst Liebesbriefe verarbeiten – oder Stromrechnungen“, empfiehlt der Lehrer augenzwinkernd. Dieses Potenzial haben auch schon Einkäufer verschiedener Museumsshops entdeckt.

Schlagworte:
Autor:
Manuela van Rossem
Fotograf:
Bärbel Miebach, Kamila Musilova