Grüne Tour Südtirol für Gartenliebhaber

Opulente Blütenpracht, zarte Präziosen und mystisch anmutende Labyrinthe – Gartenliebhaber kommen hier garantiert auf ihre Kosten.

Tamariske

Garten im Schatten des Paradeis

Schattengarten

Der Labrador Leo und der Hirtenhund Ciro fühlen sich in Magreid im Schattengarten von Alois Lageder pudelwohl.

Die zarten pinkfarbenen Blütenblätter der Japan-Anemonen bilden helle Punkte unter der eichenblättrigen Hortensie. Sie fühlen sich in ihrem Schatten sichtlich wohl, so, als hätten sie sich den Platz selbst ausgesucht. Auch wenn auf den ersten Blick alles eher zufällig gewachsen zu sein scheint, dahinter steht eine die Natur respektierende Planung – von einem besonnenen Südtiroler Winzer, einem australischen Gartenarchitekten und einem englischen Gärtner an einem vergessenen Fleckchen Erde. Margreid liegt ganz im Süden Südtirols. Nur wenige Kilometer und eine natürliche Talverengung trennen das Dorf von der Nachbarprovinz Trient. Und obwohl es an der bekannten Südtiroler Weinstraße liegt, trotzt es mit charmanter Ursprünglichkeit den Einflüssen des Massentourismus. In diesem sonnenverwöhnten, in seine Weinberge eingebetteten Örtchen liegt ein besonderes Juwel: Der Schattengarten des Winzers Alois Lageder.
Hof und Garten

Hof und Garten verbindet ein mit Kopfsteinpflaster belegter Gang mit alten Rosen.

Hat man erst mal die Toreinfahrt der Casòn Hirschprunn und den dahinter liegenden, zur Vinothek „Paradeis“ gehörenden Hof mit duftendem Jasmin, Granatapfel-, Orangen- und Zitronenbäumen hinter sich gelassen, öffnet sich eine andere Welt. Auf 4000 Quadratmetern breiten sich unter uralten Zedern aus dem 19. Jahrhundert und Rot-Ahorn, Birken und Eichen zartblütige Gewächse wie Herbst- und Japananemonen, Fingerhut, Hortensien, Funkien und Vergissmeinnicht aus.

Es ist eine Herausforderung mit so viel Schatten umzugehen. Aber mit Hilfe des Gartenarchitekten Donald Leevers, des Gärtners Nicholas Evison – und der richtigen Auswahl an Pflanzen und Standorten –, ist Alois Lageder ein grünes Schmuckstück gelungen, das Besuchern nach Anmeldung in der Weinschenke offen steht. Die breiten Kieswege säumen sattgrüne Buchsbaumhecken, ein wenig abseits von der zentralen Achse geben sie einer Freilichtbühne Form. Hier herrscht Stille, die nur durch das leise Plätschern der Fontäne im Brunnen und dem Gezwitscher der Vögel untermalt wird.

Gemüsegarten

Den Gemüsegarten überragt die Luftzwiebel aus mediterranen und Südtiroler Kräutern.

An manchen Baumstämmen rankt sich Efeu empor, an anderer Stelle breitet sich ein Teppich flammenzüngiger Farne aus. Es sind die leisen Töne, die der Winzer liebt, und die er hier wachsen sieht. „Unterschiedliche Blattstrukturen, zarte Blüten und viele Varianten der Farbe Grün sind mir lieber als ein massiver Eingriff in die Natur, eine opulente Bepflanzung und ein aufdringliches Farbspektakel“, gesteht Alois Lageder. Zurückhaltung und Unaufgeregtheit sind die Eigenschaften dieses grünen Arrangements, für das man unbedingt ein wenig Zeit und Muße mitbringen sollte. Noch ein kleiner Tipp: Um die Mittagszeit ist das Lichtspiel zwischen Sonne und Schatten besonders schön.

Autor:
Manuela van Rossem
Fotograf:
Annette Fischer, Bärbel Miebach