Architekt David Chipperfield

David Chipperfield

geboren 18. Dezember 1953 in London, England

lebt und arbeitet in Marylebone, London, England

Tätigkeitsbereich

Architektur

Kurzbiografie

In Deutschland hat der britische Architekt David Chipperfield, 58, bei der Wiedergeburt des kulturellen Allerheiligsten für Furore gesorgt: 2009 vollendete er auf der berühmten Berliner Museumsinsel nach fast einem Jahrzehnt der Planungs- und Bauzeit den Aufbau des Neuen Museums und überraschte nicht nur die Fachwelt: Der Vertreter eines konsequenten Minimalismus landete seinen größten Erfolg mit der Transformation eines Bauwerks aus dem 19. Jahrhundert in die heutige Zeit.

Drei Jahre zuvor hatte Chipperfield mit dem Literaturmuseum in Marbach und dessen moderner Säulenhalle schon einmal an die deutsche Seele gerührt. Auch wenn er inzwischen in Berlin ein großes Büro führt, liegt die Zentrale weiterhin in London, seiner Geburtsstadt.

Dort studierte er Architektur an der elitären Architectural Association und arbeitete bei den Hightech-Stararchitekten Richard Rogers und Norman Foster. 1984 gründete er ein eigenes Büro, schloss sich aber keiner der damaligen Modeströmungen zwischen Postmoderne und Dekonstruktivismus an, sondern suchte nach einer Neuinterpretation der klassischen Moderne. Seine frühen Wohnhäuser sehen aus wie Villen der 1930er-Jahre, ähneln Le Corbusiers Weißenhofhäusern oder den Landhausvillen von Mies van der Rohe (Knights House, 1992/2001, Kao House, 1993, Wohnhaus Berlin, 1996, Apartments Kensington, 1999).

Später kamen andere Vorbilder hinzu wie der Japaner Tadao Ando und dessen Präzision und pointierter Tageslichteinsatz. Von seinen englischen Hightech-Kollegen schaute er sich deren neue Konstruktionsmöglichkeiten ab. Alle diese Einflüsse bleiben bei David Chipperfield nicht einzeln sichtbar, sie werden verschmolzen. Sein Architekturdialekt setzt vor allem auf traditionellen Satzbau mit den Elementen Raum, Licht und Material. Beispielhaft zu erleben im Neuen Museum und dessen modernisierten Treppenhaus.

David Chipperfields Karriere hatte begonnen mit der Einrichtung von Londoner Modeboutiquen. Es folgten Design-Kollektionen und Möbel, darunter für Cassina, Interlübke und B&B Italia. Seine aktuellen Bauten stehen jetzt in der ganzen Welt, natürlich in London und im deutschsprachigen Raum, so in Essen mit dem gelungenen Weiterbau des Museums Folkwang (2010) und in Wien, wo er vor einigen Wochen mitten im von der Unesco geschützten 1. Bezirk ein neues Textilkaufhaus an der Kärntner Straße vollendete. Seine diffizile Aufbereitung von Traditionen für eine zeitgenössische Architektur hat ihn an die Spitze der Architekturelite gebracht. Den Pritzker Prize hat er noch nicht entgegennehmen können, aber er ist auf dem besten Weg dahin – vielleicht mit dem Zwischenstopp als A&W-Architekt des Jahres 2012.

Auszeichnungen

1999 Heinrich-Tessenow-Medaille (Gold)
2003 Ehrenmitgliedschaft der Florence Academy of Art and Design
2004 Commander of the Order of the British Empire (CBE)
2007 Stirling Prize des Royal Institute of British Architects
2007 Ehrenmitgliedschaft des Bundes Deutscher Architekten (BDA)
2009 Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
2009 Knight Bachelor (Ritter)
2010 Wolf Prize
2010 Großer DAI-Preis für Baukultur des Verbandes Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine für sein Gesamtwerk
2011 Deutscher Architekturpreis für den Wiederaufbau des Neuen Museums Berlin
2011 Royal Gold Medal des Royal Institute of British Architects
2011 Mies van der Rohe-Preis

Bekannteste Werke (Auswahl)

1997 River and Rowing Museum in Henley-on-Thames, England
2005 Figge Art Museum in Davenport, USA
2006 Literaturmuseum der Moderne in Marbach, Deutschland
2008 Ninetree Village in Hangzhou, China
2009 Neues Museum in Berlin, Deutschland
2010 Museum Folkwang in Essen, Deutschland
2010 Kaufhaus Tyrol in Innsbruck, Österreich

Ausbildung/Werdegang

Zuerst beginnt er ein Architekturstudium am Londoner Kingston Technical Institute (seit 1992: Kingston University). Anschließend wechselte er an die Architectural Association in London und machte 1977 seinen Abschluss.
1978 - 84 arbeitete er in den Büros von Douglas Stephen, Richard Rogers und Sir Norman Foster.
1984 wurde er selbständig und gründete das Architekturbüro David Chipperfield Architects  in London. 1987 gründete er einen Ableger in Berlin (rund 90 Mitarbeiter) und später in Mailand sowie eine Repräsentanz in Shanghai.
Er wurde als Gastprofessor an mehreren Universitäten tätig, darunter 1987/88 an der Graduate School of Design (GSD) der Harvard University, von 1995 bis 2001 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und 2001 am Mies van der Rohe-Lehrstuhl der Escola Tècnica Superior d'Arquitectura in Barcelona.
Chipperfield ist mit der Argentinierin Evelyn Stern aus Köln verheiratet und hat mit ihr drei erwachsene Kinder sowie einen Sohn aus einer vorherigen Ehe.

Link

www.davidchipperfield.co.uk

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Autor:
Dirk Meyhöfer