Architekt Oscar Niemeyer

Oscar Ribeiro de Almeida Niemeyer Soares Filho

geboren 15. Dezember 1907 in Rio de Janeiro, Brasilien
verstorben am 05. Dezember 2012 in Rio de Janeiro, Brasilien

Tätigkeitsbereiche

Architektur, Möbeldesign

Kurzbiografie

„Der rechte Winkel zieht mich nicht an, und auch nicht die gerade, harte inflexible Linie, die der Mensch geschaffen hat. Was mich anzieht, ist die freie und sinnliche Kurve, die ich in den Bergen meines Landes finde, im mäandernden Lauf seiner Flüsse, in den Wolken des Himmels, im Leib der geliebten Frau. Das ganze Universum ist aus Kurven gemacht. Das gekrümmte Universum Einsteins.“ Oscar Niemeyer, 1996
Dieses Zitat Niemeyers beschreibt im Grunde die ganze Philosophie seiner Bauten. Egal ob es sich z.B. um das berühmte UFO-förmige Museum für zeitgenössische Kunst von 1991 in Niteroi (Brasilien) handelt oder die Kathedrale in Brasilia von 1970.
Schon seine Mitarbeit am Ministerium für Bildung und Gesundheit in Rio de Janeiro 1937 – 1943 zusammen mit Le Corbusier prägten seinen Stil. Danach folgte die Neugestaltung des kompletten Vorortes Pampulha bei Belo Horizonte 1940-45 (Kirche, Kasino, Tanzhalle, Restaurant, Yacht Club und Golf Club), die berühmte Gestaltung des UN-Hauptquartiers in New York 1952 und schließlich sein Meisterwerk: die Planung und Gestaltung aller öffentlichen Gebäude der neuen Hauptstadt Brasiliens, Brasilia, 1957-64.

Auszeichnungen

1949 Mitgliedschaft in der American Academy of Arts and Sciences
1959 Medalha da Ordem do Mérito do Trabalho
1963 Internationaler Lenin-Friedenspreis
1963 Goldener Löwe der Biennale von Venedig
1964 Premio Benito Juarez (anlässlich der Hundertjahrfeier der mexikanischen Revolution)
1965 Médaille Joliot-Curie
1967 Der Schweizer Avantgarde-Komponist Hermann Meier widmet Niemeyer das "Stück für Streicher, Bläser, Klaviere "
1970 Ritter der Ehrenlegion (Chevalier de la Légion d'Honneur)
1970 Goldmedaille des American Institute of Architects AIA
1980 Lorenzo il Magnifico-Preis der Accademia Internazionale Medicea
1983 Ehrenmitglied der Akademie der Künste der UdSSR
1988 Pritzker-Preis für Architektur (zusammen mit Gordon Bunshaft)
1989 Prinz-von-Asturien-Preis
1990 Goldmedaille des Colegio de Arquitectos de Barcelona
1990 Cavaliero Comendador da Ordem de Sao Gregorio Magno, verliehen durch Papst Johannes Paul II.
1995 Ehrendoktorwürde der Universität von São Paulo
1996 Goldmedaille des Royal Institute of British Architects (RIBA)
2004 Praemium Imperiale
2005 Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst
2007 Commandeur de la Légion d’Honneur

Bekannteste Werke (Auswahl)

Architektur

1937 - 1943 Ministerium für Bildung und Gesundheit (heute Kulturpalast; zusammen mit Le Corbusier, Lucio Costa, Jorge Machado Moreira und Afonso Eduardo Reidy), Rio de Janeiro, Brasilien.
1940 Casa do Baile, Tanzsaal und Restaurant, Pampulha bei Belo Horizonte, Brasilien.
1943 Kirche São Francisco de Assis, Pampulha, bei Belo Horizonte, Brasilien.
1952 Hauptgebäude der Vereinten Nationen UN-Hauptquartier (Mitarbeit als Schüler von Le Corbusier), New York City, USA.
1957 Interbau-Wohnhochhaus, Berlin-Hansaviertel, Deutschland.
1957 – 1964 Öffentliche Gebäude von Brasília (u. a. Nationalkongress, Alvorada-Palast, Itamarati-Palast, Planalto-Palast, Platz der drei Gewalten, Oberster Gerichtshof). Die UNESCO erklärte Brasília 1987 zum Weltkulturerbe.
1967 - 1972 Hauptsitz der Französischen Kommunistischen Partei (PCF), Bürogebäude und Kuppel der Versammlungshalle, Paris, Frankreich.
1966 Casino, Casino Park Hotel, Kongresszentrum, Funchal,  Madeira.
1968 Verlagsgebäude Mondadori, Segrate bei Mailand, Italien.
1968 Universität von Constantine, Constantine, Algerien.
1970 Catedral Metropolitana Nossa Senhora Aparecida, Brasília, Brasilien.
1972 Maison de la Culture (Kulturzentrum, ein Rundbau, genannt «Le Volcan»), Le Havre, Frankreich.
1977 - 1979 Bürogebäude Sede Fata – Pianezza bei Turin, Italien.
1985 Tancredo Neves, Pantheon der Freiheit und Demokratie, Brasília, Brasilien.
1991 Museu de Arte Contemporânea (Museum für zeitgenössische Kunst) Niterói, Brasilien.

Design

1972 Lounge Chair für Mobilier International.

Ausbildung/Studium

1928 - 1934 begann er sein Studium an der Escola Nacional de Belas Artes (dt.: Nationale Schule der Schönen Künste) in Rio de Janeiro.
1928 heiratete er Annita Baldo (verstorben 2004), eine Tochter italienischer Einwanderer aus Padua. Aus der Ehe stammt die Tochter Ana Maria.
Nach dem Studium arbeitete er im Büro des brasilianischen Architekten und Stadtplaners Lúcio Costa. Costas Büro bekam den Auftrag für den Bau des ersten modernen brasilianischen Gebäudes, des Ministeriums für Bildung und Gesundheit in Rio de Janeiro (des heutigen Kulturpalastes). Dies brachte Niemeyer mit Le Corbusier zusammen, der ihn später zu seinem Assistenten machte.
1945 schloss er sich der brasilianischen Kommunistischen Partei an und wurde später von 1992 bis 1996 ihr Präsident.
1947 bis 1953 war er der Vertreter Le Corbusiers im Planungsgremium der UNO für das Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York City.
1966 (2 Jahre nach der Machtergreifung durch das Militär) ging Niemeyer wegen seiner Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei Brasiliens nach Frankreich ins Exil.
Ende der 1960er Jahre konnte er seine Arbeit in Brasilien fortsetzen. Er lehrte u.a. an der Universität von Rio de Janeiro, kehrte aber erst nach der Generalamnestie von 1979 im Jahre 1982 endgültig nach Brasilien zurück.
1990 trat er aus der kommunistischen Partei aus, blieb jedoch weiterhin Marxist.
Am 16. November 2006, einen Monat vor seinem 99. Geburtstag, heiratete er seine 38 Jahre jüngere Sekretärin Vera Lucia.

Hersteller/Bezugsquellen

Tendo Brasilien, Mobilier International

Link

www.niemeyer.org.br

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