Vorausdenker in Gartenfragen Der Gärtner Ewald Hügin

Ewald Hügin in Freiburg ist weit über Deutschlands Grenzen hinaus berühmt als Quer- und Vorausdenker in Gartenfragen. Das große Faible des Freigeistes sind Farbexperimente mit Blattschmuckpflanzen.

Gestänge mit Kokosseil

Buntnesseln

Floristisches Objekt und Sensation für einen Sommer sind Buntnesseln zum olivfarbenen Laub der Süßkartoffel Ipomoea batatas und spitzblättrige Keulenlilie, Cordyline australis.

„Stellen Sie sich doch mal eine Nacht nackt nach draußen“, empfiehlt Ewald Hügin Kundinnen, die beharrlich im März nach Balkonblumen fragen, „dann merken Sie, wie Sie frieren. Pflanzen leiden genauso wie Sie.“ Der Gärtner hat sich einen Namen als Querkopf gemacht. Keine Frühjahrsblumen zur Unzeit, „ich bin gegen dieses Gierige, zu jeder Zeit alles haben Wollende“; keinen Versand, „die Leute sollen zu mir kommen“; keine Sortimentstreue, „jedes Jahr das Gleiche ödet mich an“. Seit 20 Jahren gärtnert Ewald Hügin in Freiburg, der südlichsten Großstadt Deutschlands, 30 Kilometer von der französischen Grenze entfernt. 1988 hat Ewald Hügin dort eine alt eingesessene Friedhofsgärtnerei mit dem Ziel gepachtet, keine Pflanzenfabrik, kein Gartencenter, sondern eine richtige Gärtnerei zu führen.

Ewald Hügin

„Je verpönter, desto spannender ist eine Pflanze. Für mich kann’s richtig vulgär zugehen.“

Spezialität: einjährige Sommerblumen. Mit Vorliebe Pflanzen, die so richtig in Verruf gekommen sind. Petunien zum Beispiel. Oder Zyperngras. Oder Buntnessel, Coleus – „da bin ich ein Fan von“. Je altmodischer eine Pflanzenfamilie, je verpönter, desto spannender wird sie für ihn: „Meinetwegen kann’s so richtig vulgär und wild zugehen.“ Ewald Hügin pflanzt natürlich nicht die dicken Petunien und drallen Fleißigen Lieschen, die palettenweise in den Baumärkten zu haben sind. Er schwärmt von der duftenden Petunia nyctaginiflora, eine schnell wachsende Wildart aus Uruguay und Argentinien. Er rühmt die hohen, lockeren Fleißigen Lieschen, Impatiens in den Neuguinea-Formen, und er ist „angefressen von Weihrauch“, Plectranthus, in allen „sträflich vernachlässigten Arten“, stehend, hängend, mit Punkten auf den Stielen, auf das Verschiedenste duftend.

Seite 1 : Der Gärtner Ewald Hügin
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Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Robert Fischer