Zitronen Die Zitrussammlung in Schönbrunn

In Schönbrunn blühen nicht nur gemeine Zitronen, sondern auch Buddhas Hände, Landsknechtshosen und andere Zitrusraritäten – ein Gruppenbild mit Gärtner.

Dicke grüne Finger, die sich zu Fäusten ballen. Orangen, die sich mit gelben und grünen Streifen als Zierkürbisse ausgeben. Dazu: ein paar Klumpen vergilbte Gehirnmasse. Die Früchte, die Gärtner Heimo Karner von seinen manikürten Zitrusbäumen erntet, sehen aus wie Hauptdarsteller eines B-Movies, das gut der „Angriff der Mandarinen-Mutanten“ heißen könnte. Unglaubwürdig und auf alberne Art unheimlich. Und so klingen auch die Namen: Buddhas Hand, Landsknechtshose, Distorto ò Monstroso.

Heimo Karner, 47, kümmert sich seit 1998 im Schlossgarten von Schönbrunn vor allem um die rund 400 Zitrusgehölze der Sammlung, darunter mehr als 40 seltene historische Sorten. Er habe sein Herz an die Pflanzen verloren: „Ihr Duft und die Farben transportieren einen in den Süden. Wenn ich zur Arbeit gehe, fahre ich sozusagen in Urlaub.“ Seine Leidenschaft teilt er mit griechischen Göttern, chinesischen Kaisern und europäischen Herrschern aller Epochen.

Zitrusfrüchte gehören zur Familie der Rautengewächse (Rutaceae) mit ungefähr 1600 Arten und 150 Gattungen. Wild formen aus tropischen Regionen Südostasiens wurden erstmals vor 4000 Jahren in China kultiviert. Ihre Eroberung Europas zog sich mehr als 2000 Jahre hin: Alexander der Große brachte um 330 vor Christus erste Zitronat-Zitronen Citrus medica von Persien-Feldzügen mit. Um das Jahr 1000 folgten, auf den Pfaden der Kreuzritter, die Bitterorangen Citrus aurantium und Zitronen Citrus limon. Mandarinen Citrus reticulata, deren Genuss chinesischen Kaisern vorbehalten war, verbreiteten sich im Westen erst Anfang des 19. Jahrhunderts.

Seite 1 : Die Zitrussammlung in Schönbrunn
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Autor:
Petra Mikutta
Fotograf:
Christian Grund, Hertha Hurnaus