Europäische Gartenkunst von Erik Dhont Gartengestalter Erik Dhont

Für Erik Dhont ist Garten etwas Intellektuelles. Baum und Blume interessieren den neuen belgischen Gartenstar erst, nachdem er Raumgefüge aufgebaut, Linien gezogen, Licht und Schatten verteilt hat. Das Ergebnis: nie gesehene Formen in Natur und Landschaft.  

Erik Dhont lebt in himmlischer Höhe. Er hat die Wände seines Besprechungszimmers in einem hellen Bauhaus-Blau streichen lassen. Das Zimmer liegt im siebten Stock eines der vielen Art-déco-Häuser mit blank geputztem Chrom, die für Brüssel typisch sind. Hier oben ist es luftig und frei, der rechte Raum, um Gedanken fliegen zu lassen, um Flächen, Wege, Räume zu imaginieren. Denn jeder Garten, so Erik Dhont, ist zuerst eine Abstraktion. Als Erfinder einer neuen Gartenwelt tritt der 48-jährige Belgier in die Fußstapfen seines Landsmanns Jacques Wirtz, den ungekrönten König der europäischen Gartenkunst. Wie Wirtz sammelte Dhont als junger Mann in Deutschland Erfahrungen. Wie dieser gestaltet er vieles mit Formschnittgehölzen. Doch im Unterschied zu dem großen Alten, der es nicht mag, wenn man über seine Gärten viele Worte macht, spricht Erik Dhont gern. Er tut es mit ausgeprägter Mimik, er reibt sich beim Sprechen die Hände, rollt die Augen und benutzt die Stimme wie einen Zeichenstock: „Oh, là, là.“ Und anders als den Meister des stilvollen Grüns treibt Dhont eine Lust an der Übertreibung, an einem barocken Spiel mit den Effekten.

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Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Angela Bergling