Das Glück ist ein Grasfeld Gartenspezialist Romke van de Kaa

Gute zehn Jahre dauert das Experiment schon an, hat etliche Stufen durchlaufen und nie seine Faszination verloren - in Dieren studiert die holländische Gartenautorität Romke van de Kaa die Verwandlung seiner Blumenwiese.

Romke van de Kaa
Romke van de Kaa
Das Land wirkt, als ob es jemand mit dem Plätteisen flach gedrückt hätte. Und weil der Horizont weit ist, sehen Äcker und Weiden aus, als wären sie wie in ein Etui zwischen Himmel und Erde eingeschoben. An das Schloss te Dieren, das sich hier seit dem 12. Jahrhundert befand, erinnert wenig. Es wurde 1944 bei der Schlacht um Arnheim zerstört. Übrig blieben einige der Mauern des feudalen Küchengartens und – hinter ihnen – ein bescheidenes altes Haus aus der Zeit um 1650. In ihm lebt Romke van de Kaa, holländische Gartenprominenz mit einer beeindruckenden Karriere. Doch darüber fällt kein Wort während des Besuchs.

Gartenspezialist Romke van de Kaa studierte Biologie, dann Psychologie, ging nach Wisley, Flaggschiff der berühmten Royal Horticultural Society, war von 1975 bis 1979 Chefgärtner der britischen Gartenikone Great Dixter, verbrachte noch ein Jahr im irischen Lismore und kehrte nach Holland zurück. Er lernte Piet Oudolf kennen, vormals Barkeeper, Fischhändler, Stahlarbeiter und nun Gartendesigner. Für einige Jahre wurden sie Weggefährten. Es war die wichtige Zeit, in der es darum ging, nach der Öko-Welle das Feingärtnern an Frau und Mann zu bringen. Holland wurde zur Plattform einer neuen Gartenbewegung, und beide waren mittendrin. In Hummelo unterhielten sie eine bald über die Grenzen bekannte Gärtnerei, bis 1985 Eifersucht – „Wer ist der gefragteste Gärtner im Land?“ – sie auseinandertrieb.

Während Piet Oudolf sich Schritt für Schritt in die internationale Pflanzendesign-Szene hocharbeitete – „Piet hat 20 Gesichter, es gibt 20 Pietjes“ –, blieb Romke van de Kaa im Land, gründete eine neue Gärtnerei, schrieb Artikel, Bücher, Kolumnen und erwarb sich den Ruf, der entspannteste Gärtner Hollands zu sein: „Wenn Sie keine Zeit haben, überlassen Sie Ihren Garten sich selbst. Ein verwilderter Garten ist kein Dschungel oder Chaos. Er ist nur die schlankere Form des Gärtnerns.“

Weil sich Schreiben über Pflanzen als lukrativer erwies als ihr Aufpäppeln, verpachtete er irgendwann die Gärtnerei und organisierte seine Wochentage möglichst rational: Montag und Dienstag fürs Schreiben, Mittwoch für Radio und Fernsehen, Donnerstag wieder fürs Schreiben, den Rest der Woche für den eigenen Garten und einige grüne Hobbys. Euphorbien und Blattbegonien gehören dazu, alte Obstgehölze – und die Wiese, das große Experiment.
 

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Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Jonas Unger