Borstige Gesellen Kakteengärtnerei Haage

In Erfurt könnte Spitzweg die Stachelpflanze für sein berühmtes Gemälde gekauft haben. Seit 1822 besteht die älteste Kakteengärtnerei Europas. Ihr junger Chef freut sich über den Aufschwung nach der Wende und setzt auf eine Zukunft im Internet.

Zwischen Laubenkolonien in der Andreasflur westlich von Erfurt spiegelt sich die Sonne in den Dächern der Gewächshäuser. Kakteen-Haage ist hier zu Hause, Deutschlands älteste Gärtnerei, die mit dem 40 Jahre alten Ulrich Haage in der zehnten Generation steht. Seit 1822 ist die Familie für ihren Kakteenhandel berühmt. Blattkakteen sind ihre Spezialität. Sie werden alle am Ort gezogen: 3500 Arten und 2000 Sorten. Auch artengeschützte und vom Aussterben bedrohte.

Gut 3600 Quadratmeter „Hochglas“ befinden sich auf dem Gelände: moderne Verkaufshäuser und historische Pultdachhäuser für Raritäten, Erdhäuser, ein Pikierhaus und ein Haus für Mutterpflanzen. In ihnen gedeihen zwei Millionen Kakteen und andere Sukkulenten. Ganze Batterien Sämlinge recken neben Vier-Meter-Solitären die Stachelarme. Kurios schlängeln sich manche zum Licht oder schauen als Armee dornenbewehrter Winzlinge aus Töpfchen dicht an dicht.

Wer einen Streifzug durch die Glashäuser antritt, macht sich schnell schlank bei so vielen Dornen. – Ja! Kakteen haben Dornen und Rosen Stacheln, lernt die Kakteenanfängerin, die bald freudig feststellt, dass manche zwar scharf bewaffnet sind, aber dennoch duften, wie die gelbe Mammillaria-baumii-Blüte, deren Zitronenaroma ein wenig in der Nase kitzelt. „Blumenfreunde sind wie Schmetterlinge“, kommentiert UlrichHaage die Begeisterung, „die finden alles Mögliche toll. Echte Kakteensüchtige sind dagegen auf das Wesentliche fixiert: die Form, die Gattung, die Herkunft. Sie gelten als skurril, können sich schon über die Wahl der richtigen Erde in die Haare geraten und erzeugen mit ihrem Handeln leicht Befremden: „Sieht doch seltsam aus, wenn einer mit Inbrunst Dornen zählt.“ Auch wenn er das tut, um die Art zu bestimmen.

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Autor:
Inge Ahrens
Fotograf:
Albrecht Fuchs