Der leidenschaftliche Gärtner Landschaftsarchitekt Louis Benech

Seit Jahrzehnten plant er die Gärten der Reichen und Mächtigen. Jetzt wurde Louis Benech zum Superstar unter Frankreichs Landschaftsarchitekten - der erste, der eine Stück des weltberühmten Versailles neu gestalten durfte.

Es gibt Aufgaben, die Louis Benech meidet. Zum Beispiel die, doch mal zu kalkulieren, wie viele Stiefmütterchen auf die Unterseite des „Split-Rocker“ von Jeff Koons passen. Dieser „Split-Rocker“ ist eine gigantische, über elf Meter hohe Blumenskulptur, dem Kopf eines Schaukelpferds nachgebildet, hälftig aufgeschnitten und leicht verschoben. „Ich wäre der Sklave gewesen, der für die jährliche Erneuerung der Pflanzen sorgt, von denen die Hälfte kopfüber wachsen muss.“ Nach Kräften hat Benech gegen das „Gartenmonster“ opponiert, das auch noch direkt vorm Haus des Kunstsammlers François Pinault stehen sollte. „Das war zwar nicht freundlich gegenüber Jeff, der ein netter Kerl ist. Aber Pflanzen interessieren ihn überhaupt nicht.“

So was passiert, wenn man der Lieblingsgärtner der Reichen und Superreichen ist. Wobei Louis Benech weiß, dass es snobby wirken kann, wenn er sich noch immer Gärtner nennt. Aber er bleibt dabei. Der Franzose ist der Mann der Praxis. Sofort nachdem er ein ungeliebtes Jurastudium abgeschlossen hatte, seilte er sich nach England ab, in die berühmte Baumschule Hillier. Anderthalb Jahre bleibt er, ein Gartenarbeiter wie 200 andere, gräbt, pflanzt, schneidet Rosen und kehrt zurück, um im Auftrag von Hillier die Pflanzungen wichtiger Kunden zu betreuen. Auch die in der Normandie von Loel Guinness, dem Banker, Millionär und Liebhaber schneller Autos. Der junge Gärtner Louis arbeitet für ihn, findet seine Anerkennung, wird an Guy und Marie-Hélène de Rothschild ausgeliehen, an Caroline von Hannover, Yves Saint Laurent, und eben auch an François Pinault („Split-Rocker“), Menschen, die ihm über Jahrzehnte treu bleiben werden.

In Frankreich ticken die Gartenuhren anders als im nüchternen Deutschland, irgendwie immer noch so wie schon vor 300 Jahren. Die Gesellschaft ist ein feines Geflecht, das aus dem Hintergrund wirkt. Man feiert zusammen neue Spitzenweine, engagiert sich für den Erhalt von historischen Gemüsen, bleibt auf hohem Niveau realistisch und ist diskret. Neben Künstlern und Modedesignern sind Gartengestalter Teil dieser guten Gesellschaft. Auch der draufgängerische Pascal Cribier (A&W 5/10), Kartfahrer, Modemodel, Absolvent der Kunstakademie in Versailles, gehörte dazu. Dieser Cribier drängt Benech 1990 in das Team für die Überarbeitung der Tuilerien, des großen Gartens vor dem Louvre. „Wir waren die Jüngsten. Pascal wollte unbedingt gewinnen. Ich war nicht so pushy, ich war zufrieden damit, mein Geld mit Graben, Säen und Tomatenpflanzen zu verdienen.“ Der Coup gelingt, und die nächsten fünf Jahre gehören den Tuilerien. „Manchmal habe ich dort geschlafen. Das war ein Gefühl, als sei ich der König von Frankreich.“

Die Tuilerien werden der Start in die internationale Karriere. Wohin die Franzosen gehen, nehmen sie ihren Lieblingsgärtner mit. Heute New York, morgen Marokko, übermorgen Schweiz, Benech arbeitet in aller Welt, für Luxushotels wie das „Shangri-La“ in Paris, für Firmensitze führender französischer Aktiengesellschaften, auch für Hermès und Megareiche. Mit den Jahren nehmen die Society-Fotos zu: Benech, Typ Gentleman-Gärtner, distinguiert mit Pfeffer-und-Salz-Bart, mit immer leicht schief sitzender Fliege, mal einer Orangefarbenen Uhr zur orangefarbenen Hose, mal mit Blazer und Feldherrenknöpfen – und oft mit Christian Louboutin, dem Gottder roten Schuhsohlen. Zwanzig Jahre teilt er das Leben mit Louis Benech, dem Ritter der Ehrenlegion, Kurator des experimentellen Gartenfestivals in Chaumont-sur-Loire und Schöpfer von inzwischen rund 300 privaten Gärten, viele davon mit auffallend üppigen, von Licht durchzogenen Gehölzpflanzungen.

Aus dem Gärtner wird der Superstar unter den französischen Landschaftsarchitekten. Langsam gleitet er, der nie versucht hat, als Stifter neuer Ideen zu glänzen, in diese Position. „Ich mag keine Theorien“, sagt Benech, „so viele Leute wollen heute intellektuell sein. Für ihn gibt es nichts Neues in Gartendingen. Alles, so Benech, sei schon da, man muss nur hinsehen. Etwa auf die Teeplantagen in Sri Lanka, die mit dicken kopfartigen Büschen gefüllt sind, Formen, die durch das Ernten entstehen: Die Wiederholung der Strukturen ist wunderschön, man kann das sofort im eigenen Garten kopieren.“ Das oder Ähnliches zum eigenen Stil aufzublähen, interessiert ihn nicht. „Kein Mensch kann Bäume größer machen, als sie sind.“

„Je fais attention“, lautet sein Prinzip, ich passe auf. Am Ort eines neuen Gartens durchforscht er die Natur, sammelt, ob in Griechenland oder den USA, Saat von Gewächsen, die ihm gartenwürdig erscheinen, und schickt sie zur Vermehrung in die Gärtnerei. „Das ist ein praktischer Ansatz, nicht nur Design.“ Und Heimisches kann so viel Pracht entwickeln. Rosenlorbeer zum Beispiel. Er gedeiht in Frankreich und in Deutschland ganz gut, aber kaum jemand ist ein Fan des rhododendronartigen Strauchs. Benech liebt ihn, seit er entdeckt hat, „wie er in den USA aussieht, zehnmal schöner als irgendwo sonst, mit Blüten, die aussehen wie lauter kleine umgekehrte Faltschirme“.

Wer so sehr mit den Pflanzen denkt, reagiert sensibel auf bestimmte Gartenentwürfe. „Wir leben in einer Zeit voller Gewalt, und es gibt Menschen, die gewalttätige Gärten machen“, sagt Benech. Martha Schwartz gehört für ihn dazu und ihr ehemaliger Partner Peter Walker, der die Becken am New Yorker Ground Zero gestaltete, dem Gedenkort für den Terrorangriff auf das World Trade Center. „Sie behaupten, die zwei großen Wasserbecken seien von André Le Nôtre inspiriert, dem Landschaftsarchitekten von Versailles, aber der hat nie etwas geschaffen, was wie diese Bassins das Gefühl so schwer in die Unendlichkeit nach unten zieht. Ich träume von anderen Dingen.“

Wer so sehr mit den Pflanzen denkt, reagiert sensibel auf bestimmte Gartenentwürfe. „Wir leben in einer Zeit voller Gewalt, und es gibt Menschen, die gewalttätige Gärten machen“, sagt Benech. Martha Schwartz gehört für ihn dazu und ihr ehemaliger Partner Peter Walker, der die Becken am New Yorker Ground Zero gestaltete, dem Gedenkort für den Terrorangriff auf das World Trade Center. „Sie behaupten, die zwei großen Wasserbecken seien von André Le Nôtre inspiriert, dem Landschaftsarchitekten von Versailles, aber der hat nie etwas geschaffen, was wie diese Bassins das Gefühl so schwer in die Unendlichkeit nach unten zieht. Ich träume von anderen Dingen.“

Autor:
Elke von Radziewsky