Schweden setzt die Trends im Garten

Botanische Gärten Göteborgs

Sommerblüten statt Hecken-Einerlei, Küchenbeete gegen Gräser-Monotonie: Schweden setzt die Trends im Garten. Vor allem in Göteborg mit seinen vier großen Parks, in denen die Mitarbeiter Pflanzenexperimente in eigener Regie machen können. Ein Besuch bei der grünen Avantgarde. 

Rigmor Celander trägt die weißen Haare zum Pferdeschwanz gerafft. Rosa Lippenstift belebt den Teint. Viel Aufhebens macht die Chefgärtnerin nicht von sich. Dabei war sie es, die vor gut zehn Jahren den Botanischen Garten Göteborg als Ursprungsort einer revolutionären Pflanzenmode berühmt machte und damit Schweden zum neuen Reiseziel für Gartenliebhaber. Auch ohne Rigmor Celander ist dieser botanische Garten einer der schönsten der Welt, dramatisch in die Felsenlandschaft gebettet, eine seltene Kombination von Natur und Pflanzensammlungen. Doch ohne Rigmor Celanders Projekt wüssten das nur Menschen mit einem speziellen botanischen Interesse. Die frühere Sozialarbeiterin hat Beete mit einjährigen Sommerblumen angelegt, nicht gerade die Stars einer botanischen Sammlung, aber etwas für den Blumenfreund. Bis zu 70 verschiedene nimmt sie in ein Beet, experimentiert mit Farben – lauter Rot-, nur Weiß- oder Grünblütiges –, sondiert Themen. Dieses Jahr probiert sie zum Beispiel aus, was zu Engelstrompeten passt. Pflanzt Schleierkraut, Löwenmäulchen, Rasenschmiele und allerhand anderes.

Rigmor Celander schrieb ein Buch über diese Art des Gärtnerns. Das Buch wurde ein Bestseller. Genauso wie von den Sommerblumenbeeten kann man von dem japanischen Waldgarten schwärmen, den Felsgarten rühmen, die Wild-Dahlienrabatte preisen oder die Begonien- und Orchideenkollektion bewundern. Es ist der fast private Charakter, der diesen botanischen Garten besonders werden lässt. Denn all diese Teile sind liebevoll gepflegte Projekte einzelner Mitarbeiter. Man könnte es das schwedische Modell nennen: eigenverantwortlich bearbeiten sie ihre Aufgaben. „Manchmal weiß ich nicht mal genau, was sie sich gerade Neues ausdenken“, sagt Rigmor Celander, „plötzlich entdecke ich im japanischen Garten eine lange gewundene Felsentreppe, die hinauf ins Dickicht führt – und sie ist großartig.“ Schon einmal, vor gut 200 Jahren, ging von Schweden eine Gartenmode aus, die ganz Europa erfasste. Initialzündung war ein System, das der ordnungssüchtige Botaniker Carl von Linné (1707–1778) erdachte, um alle wilden Pflanzen zu erfassen.

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Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Robert Fischer