Prinz Eugen war Feldherr und Pflanzennarr Die Gartenfestung vom Schloss Hof

Prinz Eugen, einer der größten Feldherrn Europas, war Pflanzennarr. Er besiegte Österreichs Feinde und baute vis-à-vis dem Schlachtfeld einen barocken Prunkgarten.

Die Kriegskunst, als schlanke Frau in Sandstein gemeißelt, wacht auf der Treppe vor Schloss Hof über Boskette, Fontänen und Prunktore. Das Licht ist gleißend. Weiße Kalkschlämme auf Balustraden und Plastiken erhöhen den Effekt so sehr, dass das Schloss – einer Monstranz ähnlich – bei Sonnenschein zu schweben scheint. Am östlichen Rand des Marchfeldes, über Jahrhunderte Schauplatz blutiger Schlachten, liegt einer der aufwendigsten Barockgärten Europas. Seine sieben Terrassen sind nach Konstantinopel ausgerichtet, dem ehemaligen Feind entgegen: Der Prunkgarten Prinz Eugens war auch eine politische Demonstration. Hier im Marchfeld singen heute die Nachtigallen, ruft um Mitternacht das Tüpfelsumpfhuhn. Auf den sandigen Uferwällen der March wachsen Hügelnelken und Flachblättriger Mannstreu.

Weißdornbüsche demonstrieren mit baumdicken Stämmen, dass das Land Generationen hindurch beweidet war. Jenseits des Flusses, vom Schloss aus gesehen in nur zwei Kilometern Luftlinie, erhebt sich wie eine Spielzeugkulisse das slowakische Bratislava, früher Preßburg. Eine Wendung mit dem Kopf in Richtung Süden und zwischen Karpaten und Alpen öffnet sich die Hainburger Pforte – ein Brennpunkt der Weltgeschichte. Hier zogen die Kelten, ritten die Römer und die Hunnen hindurch, rückten im 17. Jahrhundert die Türken auf Wien vor. Fünf Stunden dauert zu Prinz Eugens Zeit eine Fahrt von Wien aus ins äußere Marchfeld. Durstig, staubig, in der rumpelnden Kutsche durchgeschüttelt erreicht der Gast Schloss Hof.

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Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Christian Grund