Tierparks Ein Leben wie im Garten Eden

Tiergärten rücken auf der Liste Reisender in den Rang von Museen. Der Grund: Prominente Architekten und Landschaftsgärtner bauen Parks, in denen Tiere in Harmonie mit der Natur leben. Der Zoo erfährt seine Renaissance als Paradies für die Spezies.

Mit einer Sprühflasche befeuchtet Reinhard Seuss den Fels vor sich. Eine Schicht Spritzmörtel soll langsam trocknen, das macht sie stabiler. Der Bauingenieur aus Wüstenselbitz steht breitbeinig, Stiefel an den Füßen, Helm auf dem Kopf, in der Felsenlandschaft des neuen Elefantenparks in Münsters Allwetterzoo. Hinter ihm erhebt sich ein gewaltiger Erdabbruch, auch aus Spritzmörtel gefertigt. Der Zementteig kaschiert das kantige Bullenhaus aus Stahlbeton. Reinhard Seuss ist Spezialist für Tiergarten-Felsen. Er imitiert Sand, Erde, Stein, spachtelt, tupft, malt und spritzt, um die Illusion noch perfekter zu machen, auch Mooskulturen auf seine Großplastiken. Der Elefantenpark in Münster ist eine von überraschend vielen Großbaustellen in den europäischen Tiergärten.

In Stuttgarts Wilhelma entsteht eine neue Bonobo-Anlage, in Zürich ist eine Elefantenanlage im Bau, in Köln ein Hippodom – und Hamburgs Traditionszoo hat gerade das Eismeer-Panorama eröffnet. Begonnen hat diese Renaissance der Tiergärten Ende der 90er-Jahre mit der Masoala-Regenwaldhalle im Zoo von Zürich. Ausgeführt von Dieter Kienast (1945–1998) und Günther Vogt, zwei der innovativsten Landschaftsarchitekten Europas.

Bisheriger Höhepunkt aber war die Verpflichtung des britischen Architekten Sir Norman Foster (Umbau des Berliner Reichstags) für die Elefantenanlage in Kopenhagen. Begründung: „Niemand würde Gemälde großer Meister in einem schäbigen Rahmen präsentieren. Warum sollten wir die großartigen Geschöpfe nicht in einem großartigen Haus der Öffentlichkeit zeigen?“, so Direktor Lars Lunding Andersen. Elefanten sind die „Flagship-Species“ der Tiergärten.

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Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Kai-Uwe Gundlach