Lehrmeister der Moderne C. Th. Sørensen Gärten nach Maß

Starke Idee, eindeutige Form und wenige verschiedene Pflanzen – das ist die Formel, mit der C. Th. Sørensen zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Funktionalismus in der europäischen Gartenkunst begründete. Eine Reise auf den Spuren des Lehrmeisters der Moderne durch Dänemark.

Dänemark ist ein aufgeräumtes Land. Autos fahren langsam. Restaurants machen früh zu. Häuser sind für den, der deutsche Verhältnisse gewöhnt ist, klein. Dafür stammt das Besteck auch im Landgasthof vom Jahrhundertdesigner Arne Jacobsen, besteht die Bestuhlung einer Jugendherberge aus seiner drahtbeinigen „Ameise“.

Carl Theodor Sørensen

Der Architekt Carl Theodor Sørensen

 

Und manch einer, der hier seine Ferien verbringt, ist nach drei Wochen dänischer Ordnung froh wieder heimzukehren. Der Gartenkünstler C. Th. Sørensen, ein Pionier der Moderne, einflussreich in ganz Europa und Amerika, eine Legende unter Landschaftsarchitekten, ist ein Teil dieser dänischen Diktatur des guten Stils. Ein grüner Funktionalist, effektiv, bescheiden, ein Feind alles Überflüssigen. Wer auf C. Th. Sørensens Spuren reist, lernt Dänemark gründlich kennen. Ob Jütland oder Seeland, alle ein, zwei Stunden, manchmal schneller, gibt es einen Grund anzuhalten, kann man ein Werk des Meisters studieren. Eine gemächlich vorangehende Wochenendfahrt führt zum Beispiel vom jütländischen Middelfart über Herning nach Århus, dann mit der Fähre nach Kalundborg, quer durch Seeland Richtung Öresund und zum Schluss nach Kopenhagen. Zu sehen gibt es auf dem Ausflug eine Wandelhöhle aus Goldregen, ein Amphitheater mit Eichenhain, tanzpalastgroße Buchensäle, ein mäanderndes Liguster-Parterre und in Nærum die berühmteste Schreberkolonie der Welt. Gemeinsam sind ihnen raumgreifende geometrische Formen, durch die – unübersehbar – immer wieder das Repertoire der barocken Gartenkunst durchschimmert. Ein Moderner, der sich aus der Geschichte bedient? Viel gesagt hat Sørensen dazu nicht.

Gärten nach Maß 1

Der geometrische Garten, Birk, 1945/1983 Sørensens Markenzeichen. Quelle der Formen war weniger die Geometrie als die Gartenkunstgeschichte. In ihrem Verlauf nahm die Reduktion zu, verschwanden Blumen aus Beeten, bis der Rahmen Inhalt war, meinte der Däne.

„Wichtig war ihm, die Dinge einfach, simpel anzugehen“, sagt Sonja Poll, seine heute 75-jährige Tochter. Sørensen war Autodidakt. Er ist als Bauernsohn im kargen Nordjütland aufgewachsen, hat nie Landschaftsarchitektur studiert, sondern sich vom Gärtner über den Zeichner zum maßgebenden Kopf seines Fachs emporgearbeitet.

Auf Porträts sieht man einen freundlich reservierten Herrn mit leicht geschürzter Oberlippe und dem Haarschnitt eines Handwerksmeisters aus den 50ern. Sørensen pflegte keine Attitüden. Er trug keine Brille mit kreisrunden Fassungen wie sie im Gefolge von Le Corbusier zum Markenzeichen der Pioniere moderner Architektur wurden. Seine Kreise zog er in Gärten, mauerte sie aus Stein, säte sie in Gras, legte sie mit Platten in den Rasen, zog sie als Hecke in die Höhe oder reihte sie aus Findlingen auf. Eine seltsame Fixierung, die er mit einem Zeitgenossen und lebenslangen Freund teilte: Auch sein italienischer Kollege Pietro Porcinai (A&W 2/09) stanzte das Rund aus Buchskissen, legte es mit Trittplatten und Wasserspiegel in seine Gärten.

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Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Stephan Abry