Gartenreise Irische Gärten

Der atlantische Golfstrom schützt die Insel. Was Pflanzenjäger seit 200 Jahren mitbrachten, hat sich im milden, feuchten Klima heimisch gemacht und ist zu phantastischen Größen herangewachsen. Neben klassischen Rabatten wächst Wildes und Tropisches: Irland ist das überraschendste Ziel für Gartenreisen in Europa.

Birr Castle

Alte Rosen und ein Kreuzgang aus Hainbuchen: Die Gärten von Birr Castle sind das Resultat grün-grüner Heiratspolitik.

Gibt es den typisch irischen Garten? Wie es irische Butter, irische Wolljacken, den irischen Rotschopf gibt? Mit der Frage im Kopf fliegen wir von Hamburg nach Dublin. Wir nehmen ein Mietauto, das in Irland preiswert ist und sein muss. Parks liegen selten verkehrsgünstig. Wir treffen einen alten Gärtner, fragen ihn: „Wie sieht ein irischer Garten aus?“ Und geraten sofort in politische Diskussionen. 700 Jahre lang haben die Engländer die Insel besetzt, das Volk bettelarm gehalten. Iren waren froh, wenn sie Land für Kartoffeln hatten. Gärten legten nur Besetzer an: „Englisch sehen sie aus“, meint er. Als ob man sich das nicht denken könnte. Die erste Station auf unserer Reise scheint ihm recht zu geben.

Das Schloss versteckt sich. Eisengraue meterhohe Mauern schützen es und den berühmten Park. Sie wurden in der großen irischen Hungersnot 1845 bis 1849 gebaut, „nicht um die Darbenden draußen zu halten, sondern um der Not leidenden Bevölkerung Arbeit zu geben“, erklärt der Hausverwalter. Möglich, dass beides stimmt. Seit 1620 gehört Birr den Parsons, einer englischstämmigen Familie, die sich erst reichheiratete und dann große Wissenschaftler, Politiker, Kaufleute wie Charles Algernon Parsons, der die moderne Dampfturbine erfand, und einen Gartennarren hervorbrachte. 1935 heiratet der begeisterte Botaniker Lawrence Michael Parsons Anne Messel, Tochter des Begründers von Nymans, einem der großen Gärten in Sussex. Die Flitterwochen verbringt das horti kulturelle Paar in Peking damit, eine der ersten Pflanzenexpeditionen nach China zu organisieren. Als Hochzeitsgeschenk haben sie sich auf dem Familiensitz der Parsons einen noch heute bestehenden Formschnittgarten aus Hainbuche anlegen lassen – in Gestalt eines Kreuzgangs, bepflanzt mit einer Kollektion von alten Rosensorten. Birr Castle ist das schöne Ergebnis botanischer Heiratspolitik.

birrcastle.com

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Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Stephan Abry