Landschaftsgarten Wörlitz

Die Insel liegt wie ein sanft gewölbtes Medaillon im See, gesäumt von einer Reihe staksiger Pappeln, eine Urne in der Mitte.

Landschaftsgarten Wörlitz

Das melancholische Bild ist die erste Parkszenerie, auf die Besucher stoßen, die mit dem Auto auf den Landschaftsgarten Wörlitz zufahren – eine Erinnerung an Jean-Jacques Rousseau, den großen französischen Philosophen, der die Natur feierte. 1712, vor 300 Jahren, genauso wie Friedrich der Große, wurde er als Sohn eines Uhrmachers in Genf geboren. Sozialisten und Naturschwärmer gleichermaßen machten ihn sich zum Vorbild.

Man findet die pappelgesäumte Insel als sentimentales Souvenir im polnischen Arkadia, im Berliner Tiergarten und – die erste von allen – im französischen Ermenonville, nordöstlich von Paris. Hier lebte der Schriftsteller und Marquis René Louis de Girardin, ein glühender Bewunderer Rousseaus, bei dem der Philosoph die letzten Wochen seines Lebens verbrachte. Täglich wanderte er im Morgengrauen durch den Park seines Gastgebers, botanisierte nach den Regeln Linnés und notierte seine „Träumereien eines einsamen Spaziergängers“.

Fazit: „Keine Macht der Welt vermag es, jemanden elend zu machen, der glücklich sein will und weiß, wie er es wird.“ Im Juli 1778 starb er. Der Marquis bestattete ihn auf einer Insel im Schlossteich. Die Île des Peupliers besteht noch heute. Rousseaus Leichnam wurde fünf Jahre nach der Französischen Revolution in den Pariser Panthéon überführt.