Parkanlage in Hamburg Planten un Blomen

Bürgerliche Moderne, 120-Grad-Stil, Kinetik: Ein Mosaik aus Gartenformen des 19. und 20. Jahrhunderts und eine Sammlung rarer Gehölze machen den Park in Hamburgs Zentrum zu einem der ungewöhnlichsten und spannendsten in ganz Europa.

Komm in den Park. Ja. Bin schon da. Beinahe übergangslos, das steile Doppel-Hochhaus des Radisson-Hotels noch im Rücken, stehe ich vor der erstaunlichen Platane, die Johann Georg Christian Lehmann, Professor der Naturlehre, 1821 gepflanzt hat: der Beginn des Botanischen Gartens am Dammtor in Hamburg. Mein lieber Mann. Gibt es einen Menschen, der so alt ist wie dieser Baum? Eher nicht. Gibt es eine andere Stadt, die aus einem martialischen militärischen Objekt des Dreißigjährigen Krieges, aus einer Verteidigungsanlage mit 22 Bastionen und elf Vorwerken einen Garten Eden in ihrer Mitte geformt hat? Es gibt sie, aber selten so raumgreifend.

Hamburg hat es vollbracht. Über die Jahrhunderte hinweg, mit guten und minder guten Ideen, mit Auf- und Rückbauten, auf Wegen und Irrwegen, in leidenschaftlichem Bemühen und mit tätigen Zweifeln, mit großem Geld und guten Worten und nicht zuletzt den Konzepten etlicher Gartenschauen. Heute rüttelt niemand mehr an dem Park, der Planten un Blomen heißt. Das nenne ich Sprachwitz. Einen Garten, der sich Pflanzen und Blumen nennt, kann ich mir nicht vorstellen. Das wäre bieder. Aber das niederdeutsche Planten un Blomen, keine Frage, das geht, da schwingt neben Heimatlichkeit etwas Irrationales mit.

Schade nur, dass der Park den Namen zur Niederdeutschen Gartenschau 1935 erhielt. Damit war die Bezeichnung nach 1945 kontaminiert und das Gelände gleich mit. Und natürlich der Mann, der die Schau 1935 gestaltet hatte: Gartenarchitekt Karl Plomin. Wie umgehen mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auf dem Gebiet der Botanik? Ausdiskutieren? Wer mit wem? Wenn keiner so richtig will? Was ist an Planten un Blomen faschistisch? Und was war mit Karl Plomin? Er gestaltete auch die Internationalen Gartenschauen 1953 und 1963, und an der von 1973 war er beteiligt. So einfach ist die Vergangenheit.

 

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Schlagworte:
Autor:
Fritz-Jochen Kopka
Fotograf:
Giovanni Castell