Diese Pflanze findet sich weiltweit in Gärten und Parks Der Krokus ist gehorsam

Er macht, was der Züchter will, blüht ostereiergelb und tuschkastenlila. Doch leuchtender als jede Farbe sind die Staubblätter. Sie gaben der Pflanze den Namen. Kroké heißt der Faden.

Krokusse

Kalter Wind fegt über die Garteninsel. Es riecht nach Schnee. In den Rabatten leuchten die Blätter der Bergenien frostig rot. Es ist höchste Zeit. Auf farbig bemalten Kartons steht fest, wie das Frü̈hjahr auftreten soll. Dieses Mal: violett, dazwischen weiß mit einem bläulichen Farbhauch, im Rondell zimt-gelb. Ein Frühling für Krokusliebhaber. Der Boden ist vorbereitet. Gärtner streuen Knollen auf das wellenförmig modellierte Gelände. Nicht zu viele auf einmal, damit das Auge sich merkt, wo die Zwiebelchen liegen, die kleinblü̈tigen Sorten dicht, die mit großen Blüten lockerer. Dann wird jede Knolle einzeln in die Erde gesteckt. Weil sie Rosenkranzperlen gleichen, heißen die Blumen auch Beichtrösel und Paterniesel. Oder Chäsli, denn innen sind sie gelb wie Schweizer Kä̈se.

Die Farben der vielen tausend Krokusblüten auf der Insel sollen schäumende Wellen beschwören. Das ist hohe Gartenkunst oder einfach ein weißes Krokusbeet, dazwischen etwas Lilablau. Mit Krokussen, es gibt wohl hundert Arten und jedes Jahr neue Sorten, könnte man den Garten wie einen modernen Teppich gestalten. Man sagt, der Krokus sei gehorsam. Bei mir macht der Krokus, was er will. Meine Wiese ist im Frühling bunt, im Gras liegen Ostereierfarben, mal mehr Gelbe, mal mehr Weiße oder Violette, meist sammeln sie sich in unifarbenen Nestern. Je nachdem, wie sich die Krokusse ü̈ber die Jahre durch Brutzwiebeln vermehrt oder über Samen mithilfe der Ameisen ausgebreitet haben. Der erste Krokus wird genau so entdeckt wie das erste Schneeglöckchen. Kinder finden den Einzelgänger im Heidekraut. Von da an dauert es nur noch einen Augenblick, und Krokusse blitzen, wohin man schaut. Auch oben im Hoch-Engadin, wo der Winter kein Ende nehmen will, geschieht das von einem Tag auf den anderen.

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Autor:
Helga Schütz