Izidor Golob Die duftenden Bärte der Iris

„Ich bin Blumennarr und glücklich!“, strahlt Izidor Golob verschmitzt. Er hat schon im Garten seiner Mutter sein Herz an die Iris verloren. Izidor ist internationaler Iris-Richter und ihr einziger Züchter in Slowenien. In seinen zwei Gärten in der Untersteiermark wachsen 450 Sorten Bart- und Steppeniris. Wenn der Mai kommt, steht alles in Blüte, und der Gärtner aus Leidenschaft hat alle Hände voll zu tun.

Wenn der Frühling voll im Gange ist, blüht immer etwas. Izidor Golob hockt Unkraut zupfend auf einem Acker voller Bartiris. Jede einzelne Blüte ist ein Augenschmaus. Sie leuchten in fast allen Farben des Regenbogens. Izidor schnuppert an einer veilchenfarbenen historischen Schönheit. ‘Sweet Lena’ duftet schwer. „Die Blumen helfen, das Altern zu vergessen“, zwinkert der 74-Jährige schelmisch.

Der Slowene ist Iriszüchter und Sammler in einem. Der Einzige in seinem Land. Seit 1978 gelangen ihm 25 Kreuzungen, die allesamt beim Fachverband aller Iris, der American Iris Society, registriert sind. Die ‘Mojca’ war seine erste und ist die schönste geblieben. Sie hat aprikosenund apfelsinenfarben changierende Domblätter. Ihre Hängeblätter sind ebenfalls Apricot, mit etwas Weiß und Pink. Satt orange lockt ihr Bart. „Nach 17 Jahren Ehe war Mojca mein Geschenk an Marija.“ Mojca, so kost Izidor Golob seine Frau.

Sobald der Winter vorbei ist, sieht Mojca von ihrem Izidor meist nur die Kehrseite. Entweder arbeitet er im häuslichen Blumengarten, während sie sich um das Gemüse kümmert. Oder er taucht in einem seiner zwei knapp fußballfeldgroßen Irisgärten unter, die er vor fast zehn Jahren am Rand des Ortes anlegte. Manchmal ist Izidor aber auch in Florenz unterwegs, wenn dort an den Hängen des Arno die Iris blühen. Einmal im Jahr werden von der Italienischen Irisgesellschaft die schönsten Züchtungen aus aller Welt gekrönt. Wegen seiner großen Pflanzenkenntnis und liebenswerten Lust am Parlieren war Izidor Golob siebenmal oberster Iris-Richter und dreimal Präsident der Jury. Das letzte Mal 2010.

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Autor:
Inge Ahrens
Fotograf:
Jonas Unger