Fest für Blütensammler Fuchsie - Diva im Glockenrock

Ihre Rüschen, Lampions und schlanken Kelche reizen die Sammlerlaune. Wer einmal dem Fuchsienfieber erlegen ist, besitzt schnell eine Kollektion mit mehreren Hundert Pflanzen. Im Trend liegen winterharte Sorten und Wildarten.

Wer hat nicht als Kind gelegentlich die Knospen von Omas Fuchsien mit den Fingern zusammengedrückt, bis sie mit einem satten „Plopp“ aufplatzten? Oder staunend zugeschaut, wie ein Zweig der Pflanze in einem Glas Wasser auf wundersame Weise Wurzeln trieb. Viele unserer Erinnerungen tauchen Fuchsien in ein nostalgisches Licht. Ihre Blüten gleichen Petticoats und gerüschten Tutus. Die abstehenden Kelchblätter und glockenartigen exotischen Blüten wirken in gedeckten Rot- und Violetttönen stets damenhaft und niemals aufdringlich. Auch die beliebte Kultur als Hochstämmchen oder Ampelpflanze unterstreicht diesen altmodischen Charme der Pflanzen.

So richtig en vogue sind die kleinen Blütensträucher schon eine ganze Weile nicht mehr; die Ökologiebewegung der 80er-Jahre ging an den Fuchsien ebenso vorüber wie der Trend zu naturhaften Präriepflanzungen in den 90ern. Undenkbar, die exquisiten Schönheiten mit Gräsern oder wuchernden Storchenschnäbeln zu paaren. Für ein Leben im Beet sind ohnehin nur wenige Sorten geschaffen; die meisten gedeihen besser in Töpfen und Kübeln. Gleichwohl gilt den Nachtkerzengewächsen seit Langem die Leidenschaft einer Gemeinde von Kennern und Sammlern, die sich an Details wie dem außergewöhnlich langen Tubus, so nennt man den röhrenartigen Blütenkelch, einer Sorte erfreuen. „Das Faszinierende an Fuchsien ist die unendliche Vielfalt“, sagt Karl-Heinz Saak, erster Vorsitzender der Deutschen Fuchsien-Gesellschaft.

Enthusiasten wie Saak empfinden die Pflege ihrer Sammlerschätze nicht als Last, sondern als Herausforderung. Denn wer sich nicht nur mit den paar gängigen Sorten aus dem Gartencenter begnügt, braucht Fingerspitzengefühl. Die meisten auffälligen Zuchtformen benötigen jenes kühle, aber frostfreie und möglichst helle Winterquartier, das in modernen Häusern schwer einzurichten ist. Trockenheit und pralle Sonne vertragen Fuchsien schlecht. Und damit sie in Fasson bleiben, gilt es, verwelkte Blüten ständig auszuputzen.

 

1 2 3
Schlagworte:
Autor:
Alexandra Rigos
Fotograf:
Stephan Göttlicher