Das blaue Wunder Rittersporn

Seit der Romantik zieht Rittersporn mit seinem Blau Dichter, Züchter und Gärtner in seinen Bann. Jetzt erforscht der Münchner Fotograf Clemens Zahn das Geheimnis der unübertroffenen Farbe. In seinem Garten hat er eine Sortensammlung angelegt.

Die berühmte blaue Blume der Romantik, das Symbol für die Unendlichkeit, geht auf den Dichter Novalis (1772–1801) zurück. Es war sein Gedanke. Er brachte die Blume als ein Traumbild ins Spiel. Jeder, der sich danach der Romantik zugehörig fühlte, ob Maler, Dichter oder Naturschwärmer kannte das Symbol und dachte an ein märchenhaftes Blau. Keiner nannte den Namen.

Seinerzeit war Rittersporn nicht nur ein auffälliges Ackerunkraut auf weiter sächsisch-thüringischer Flur, wo der Dichter und Geologe Novalis seine langen Touren unternahm, um Braunkohlelager zu erkunden, sondern auch eine neue Gartenstaude. Jemand hatte sie wahrscheinlich aus Ungarn mitgebracht. So ein strahlendes, dabei sanftmütiges Blau hatte es in den Gärten bis dahin nicht gegeben. Rittersporn leuchtete ab Sommerbeginn anderthalb Meter hoch über Gemüse- und Blumenbeete. Davon musste man träumen und dichten. Wegen ihm, so möchte man vermuten, hat Novalis die blaue Blume erfunden. Andere Gewächse, die trockene Kornblume, das bescheidene Vergissmeinnicht, der niedrige Enzian, die wilde Wegwarte und der haarige Borretsch scheiden aus.

Der Rittersporn ist eine mehrjährige Pflanze mit handförmigen Blättern und hohen Blütentrauben. Von Ferne sind es blaue Strahlen, in der Nähe stellen sich die einzelnen Blüten als seltsame Formen dar. Eines der fünf Kelchblätter bildet nach hinten einen seltsamen Schlund. Manche sehen darin den Sporn eines Ritterstiefels, andere eine Marienträne oder, in mediterranen Gegenden, einen Delfin. Auf ihn haben sich die Botaniker aller Länder geeinigt. Die 200 oder 300 Wildarten und die späteren Kulturformen haben in Fachkreisen den gemeinsamen Gattungsnamen Delphinium. Die Gattung gehört zur großen Familie der Hahnenfußgewächse.

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Schlagworte:
Autor:
Helga Schütz
Fotograf:
Clemens Zahn