Lieb und rein Veilchen zum Tee

Ob in Küche, Garten, Mythologie oder Moral – überall spielt das Veilchen seine Rolle, ist volkstümlich und transzendental, nährt den Leib, den Geist und alle Sinne.

Parmaveilchen
Parmaveilchen

Für manchen ist es das wunderbarste aller Veilchen, denn es duftet süß wie kein anderes. Allerdings wächst es struppig, blüht unordentlich und überwindert besser im Gewächshaus.

Eine der schönsten Veilchengeschichten erzählt die Journalistin Gabriele Tergit in ihrer „Kleinen Geschichte der Blumen“. Zur Zeit des Ancien Régime widmete sich ein edler Mann dreißig Jahre seines Lebens der Duftveilchenzucht. Er tat das, um einer tief verehrten Schauspielerin täglich ein Bouquet schicken zu können. Die Umworbene reagierte auf den Liebesdienst, indem sie jeden Abend den Veilchen die Blüten abzupfte und sie zum Tee aufbrühte. Der Beweis dafür, dass die kluge Dame die Zuwendung ihres Verehrers in seiner ganzen Bedeutung verstand.

Veilchen enthalten mehr Vitamin C als die meisten Gartengemüse, die Blätter sogar mehr als die Blüten. Schon Köche des 15. Jahrhunderts nutzten sie für Salate, Soßen und Suppen, verfeinerten Pfannkuchen und Omeletts mit Veilchenblütenblättern, aromatisierten und färbten mit Sirup Limonaden. Wobei der Zusatz von Zitronensaft die blaue Farbe in rötliches Purpur verwandelt.

Seit altersher wuchsen Märzveilchen in Kloster- und Küchengärten neben Basilikum, Liebstöckel, Mädesüß und anderen höheren Kräutern, unter Johannis- und Stachelbeersträuchern, gern im Schatten von Obstbäumen. Leicht feuchter Boden, etwas Schutz vor Sonne ist alles, was sie brauchen. Selbst ausgewählte großblütige Zuchtsorten mit den eleganten Namen wie ‘Baronne Alice de Rothschild’, ‘Königin Charlotte’ oder ‘Princess de Galles’ sind leicht zu halten. Die Faustregel für alle heißt: „Ein Boden, der gutes Gemüse hervorbringt, ist auch für Veilchen gut.“

Nahrung ist also wichtig. Zum Düngen: den Boden umgraben, Kuhmist, Gartenhumus oder am besten Eichenblatthumus (niemals Laub im Herbst abfahren lassen, am besten eine Bucht für Laubkompost anlegen) tief einarbeiten. Fest einpflanzen, Blätter dicht an der Oberfläche. Nur das Herz der Pflanze darf nicht unter die Erde geraten. Mit der Zeit bilden Märzveilchen durch Ausleger kleine Matten. Allen, die es besonders gut machen wollen, empfahl die Engländerin Gertrude Jekyll, die Veilchen jedes Jahr zu verpflanzen. Wenn die letzte Blüte vorüber ist, Pflanzen aufnehmen, teilen, in frisch vorbereiteten Boden wieder einsetzen, alle 40 Zentimeter ein Exemplar und bis August alle Ausläufer entfernen.

 

Seite 1 : Veilchen zum Tee
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Autor:
Elke von Radziewsky